Unsere Redaktion hat die Chefs grosser Arbeitgeber gefragt, was die Ecopop-Initiative a) für ihr Unternehmen und b) für den Wirtschaftsstandort Schweiz bedeute. Angesichts der dramatischen Warnungen der Verbände erwarteten wir konkrete Antworten. Doch weit gefehlt. Mehrheitlich hiess es: kein Kommentar. Der Chef eines Grossunternehmens schrieb: «Wir können es uns nicht leisten, öffentlich eine Meinung zu umstrittenen Themen zu vertreten.»

Wie bitte? Wir leben in einer direkten Demokratie, und diese nimmt Verantwortungsträger aus allen Teilen der Gesellschaft in die Pflicht. Im ureigensten Interesse müsste gerade die Wirtschaft ihre Argumente gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern darlegen. Es ist feige, wenn sich Unternehmer und Topmanager hinter Verbänden und Parteien verstecken.

Zum Glück gibt es auch mutige Unternehmer. Peter Spuhler, der Bahn-Fabrikant aus dem Thurgau, hat sich vor der Masseneinwanderungsinitiative nicht dazu geäussert, sich danach aber über den Volksentscheid beschwert. Er scheint daraus gelernt zu haben: Jetzt, bei Ecopop, spricht er rechtzeitig Klartext. Vereinzelt tun dies auch andere Firmenlenker, etwa Swiss-Präsident Bruno Gehrig oder Swatch-Chef Nick Hayek.

Noch wichtiger als Worte sind Taten. Dass gemäss neusten Zahlen die Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte seit dem 9. Februar in unverändertem Ausmass weitergeht, kann man nicht der Politik anlasten. Diese braucht für die Umsetzung der Initiative ihre Zeit. Die Unternehmen aber könnten sofort reagieren und von sich aus den Inländervorrang anwenden, der in der Verfassung steht. Sollte es am 30. November wieder eine Überraschung geben und die Ecopop-Initiative angenommen werden, müsste die Wirtschaft einen grossen Teil der Verantwortung dafür übernehmen.

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