Das Papier stirbt, die Zeitung lebt

Die Nachricht: Die «Frankfurter Rundschau» und die «Financial Times Deutschland» sind am Ende. Weitere Zeitungstitel werden folgen.

Der Kommentar: Damit kein Missverständnis aufkommt: Die Zeitungen, gedruckt auf Papier, sterben. Nicht schon in den nächsten Jahren und nicht alle. Doch die Zeitung, wie wir sie kennen und schätzen, hat keine grosse Zukunft. Wer das Gegenteil behauptet, erliegt seinem Wunschdenken.

Obwohl ich bisher fast ausschliesslich für dieses Medium gearbeitet habe, muss ich sagen: Das Zeitungssterben ist an sich kein Problem. Entscheidend ist nämlich nicht, ob es sie – teuer gedruckt und verschickt – künftig noch geben wird, sondern einzig, ob die Eigenschaften, die heute Zeitungen ausmachen, in die neue Medienwelt transferiert werden können. Es geht um Tugenden wie Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit, Orientierungsfähigkeit, Diskursfähigkeit. Tugenden, die den Markenkern einer guten Zeitung ausmachen.

Der Medientheoretiker Marshall McLuhan hat den Satz formuliert «The Medium is the Message» (Das Medium ist die Botschaft). Gerade dieser Satz lässt viele an der tradierten Zeitung festhalten. Dabei sollte gelten: Nicht die Form, sondern dessen Funktion macht ein Medium aus. Eine Zeitung hat dem Leser zu ermöglichen, «mündiger Bürger» zu sein. Einer, der verlässlich informiert ist über das soziale, politische, kulturelle, wirtschaftliche, lokale wie globale Geschehen. Einer, der sich auf die Glaubwürdigkeit der Information verlassen kann. Einer, der sich durch die Lektüre in der Welt orientieren und dadurch am Weltgeschehen teilhaben kann.

Allen Unkenrufen zum Trotz leisten dies heute weder Twitter noch TV: Es ist allein die Zeitung, die den Anforderungen gerecht wird. Ob in gedruckter Form oder online abrufbar, ist ohne Bedeutung.

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