Man beginnt sich an die Aufschläge zu gewöhnen – obwohl wir in der Schweiz sonst Nullteuerung haben. Die Argumente der SBB-Chefs sind immer dieselben: Wir bauen das Angebot aus; wir müssen in die Infrastruktur investieren; wir haben immer höhere Kosten im Unterhalt. Verschwiegen wird dabei, dass der jahrzehntelange Boom der Bahn vorbei ist: Seit 2012 wächst der Verkehr auf der Strasse stärker als derjenige auf der Schiene.

Den SBB ist es gelungen, die jährlich steigenden Kosten als gottgegeben darzustellen: die Preisspirale als Naturgesetz. In jeder anderen Branche würde das hinterfragt, auch bei den Staatsbetrieben. Die Post hat ihre Brieftarife seit zehn Jahren nicht mehr erhöht. Ein Aufschlag würde von der Politik und der Öffentlichkeit schlicht nicht akzeptiert.

Bei den SBB ist das anders. Sie sind nach dem Bankrott der Swissair, dem Verkauf der Swiss nach Deutschland und dem Image-Crash der Grossbanken vielleicht das letzte nationale Symbol. Wenn irgendwo SBB draufsteht, dann öffnet sich das Portemonnaie. Im Parlament und auch in Volksabstimmungen. Das sah man vor drei Monaten bei der Fabi-Abstimmung, das zeigten die Volksentscheide 1987 über die Bahn 2000, 1992 über die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) und 1998 über die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe. Stets ging es um Milliarden zugunsten des öffentlichen Verkehrs.

Diese Investitionen mögen sinnvoll sein, doch verleitet der Goodwill der Bevölkerung die SBB zunehmend zu Gigantismus. Das Kostenbewusstsein am SBB-Hauptsitz ist nur selektiv vorhanden. Munter werden Stellen in der Verwaltung geschaffen, in Bern und Zürich stolze Bürogebäude aus dem Boden gestampft und Hunderte von Millionen in fragwürdige Projekte verlocht (siehe Seite 2). Nein, dafür ist das Steuergeld nicht gedacht.

Bei aller Liebe: Die Strategie, sämtliche Probleme über höhere Preise zu lösen, kann auch bei einem Monopolbetrieb nicht aufgehen. Nicht einmal mit der besten PR.

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