Der Kommentar: Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF frohlockte am Gründonnerstag: «Das hat Seltenheitswert – Infrastrukturprojekte mit Tunnels, die weniger kosten als geplant.» Doch die Neat, die neue Eisenbahn-Alpentransversale, sei «auf dem besten Weg dazu». Das SRF bezog sich auf eine Medienmitteilung des Bundesamts für Verkehr (BAV) mit dem Titel «Bau der Neat kostet weniger als geplant», die auch andere Medien aufgegriffen haben. Grund sei der «gute Baufortschritt».

Über tiefere Kosten zu jubeln, zeugt von einem kurzen Gedächtnis. Über die Basistunnel am Gotthard und am Lötschberg haben wir am 7. September 1992 abgestimmt. Das damalige Abstimmungsbüchlein ist im Internet abrufbar: Unter dem Zwischentitel «Vertretbare Kosten» heisst es, das Parlament habe einen Kredit von 14,9 Milliarden Franken bewilligt. Diese Zahl wird in der aktuellen Meldung des BAV vom Gründonnerstag nirgends genannt. Dort steht bloss, die Neat-Endkostenprognose «sinke» auf 18,2 Milliarden Franken.

Sinken? Verglichen mit der Zahl im Abstimmungsbüchlein, die auch von Verkehrsminister Adolf Ogi genannt wurde, liegen die Kosten 3,3 Milliarden Franken zu hoch. Dies zu Preisen der 90er-Jahre. Nimmt man die Teuerung, Steuern und Zinsen dazu, kostet die Neat laut BAV bereits 23,5 Milliarden. Damit nähert man sich den 25 Milliarden, die 1992 von den Neat-Gegnern im Abstimmungskampf als «Teufel an die Wand gemalt» wurden, wie die Befürworter damals höhnten. Die Mehrkosten haben ihre Gründe: Es gab Zusatzprojekte, geologische Überraschungen und zusätzliche Sicherheitsmassnahmen. Wie man heute zum Schluss kommen kann, die Neat koste weniger als geplant, ist schleierhaft.

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