DAS KANN NUR EIN MONOPOLIST

Die Nachricht: Die Schweizerische Post will neu eine Strafgebühr auf nicht korrekt adressierten Geschäftsbriefen und Massensendungen einführen. Damit überwälzt sie Kosten in der Höhe von rund 40 Millionen Franken an ihre Kunden. Weil diese Anpassung den Monopolbereich betrifft, muss der Bundesrat seinen Segen geben.

Der Kommentar: Eines muss man Postchef Jürg Bucher lassen. Er erweist sich als äusserst kreativer Kopf, wenn es um die Generierung neuer Zusatzeinnahmen geht. Sein Rezept lautet:
Man nehme eine Dienstleistung aus dem Monopolbereich (B-Post), schränke deren Leistungsumfang ein (Rücknahmen) und überbürde die Kosten den Privaten. So kann Bucher den Gewinn um 40 Millionen Franken hochschrauben.

Für die betroffenen Geschäftskunden ist das weniger lustig. Weil Briefe bis 50 Gramm durch das Monopol geschützt sind, können sie nicht zu einem alternativen Anbieter wechseln. Wenn beispielsweise Hilfsorganisationen auch in Zukunft Weihnachtskarten verschicken wollen, dann sind sie auf die Dienste der Post angewiesen. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Bucher Geld zu überweisen.

Das Vorgehen der Post ist ein weiterer Beleg dafür, dass ein Monopol nicht zu besseren Dienstleistungen und tiefen Preisen führt, sondern in der Regel das Gegenteil bewirkt. Der Service public wird nicht besser, sondern schlechter. Dass die Politiker in Bern dies nicht wahrhaben wollen, macht das Ganze nur noch schlimmer. Wenn es um die Post geht, sind sie auf beiden Augen blind.

Nächsten Dienstag debattieren die Parlamentarier ein letztes Mal darüber, ob die Post ihr Monopol auf Briefen bis 50 Gramm behalten kann oder nicht. Nachdem etliche Ständeräte mit Blick auf die Wahlen 2011 ihre wettbewerbsfreundliche Haltung über Bord geworfen haben, sind keine Überraschungen mehr zu erwarten. Das Monopol der Post bleibt auf Jahre hinaus zementiert.

Umso wichtiger ist jetzt, dass die neue Postministerin Doris Leuthard Postchef Jürg Bucher genau auf die Finger schaut. Sie muss verhindern, dass die Post die geschützte Werkstatt des Monopols missbraucht, um Mehrerträge auf dem Buckel derPrivaten zu generieren.

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