Der Kommentar: Präsent, kämpferisch, offen. So präsentiert sich Blocher während des Gesprächs. Er sagt Sätze, die aufhorchen lassen. Kandidiert er 2011 für den Nationalrat? Das sei nicht sicher. Dann müsste er «viele langweilige Sitzungen» über sich ergehen lassen. «Immerhin bin ich seit 1979 dabei.» Und er thematisiert selbst ein absolutes Tabu: «Zudem bin ich bald 70, weiss nicht, ob das gesundheitlich noch möglich ist. Zwar bin ich kerngesund. Aber mit 70 ist man gesundheitlich anfälliger. Ich will nicht Gott versuchen.»

Erstaunliche Worte. Von einem Mann, der in seiner Bundesratszeit oft auf Konrad Adenauer verwies, den ersten deutschen Bundeskanzler. Adenauer war vierzehn Jahre im Amt geblieben. Sein Rücktritt sei aufs Jahr 2026 vorgesehen, sagte 2006 der damalige Bundesrat Blocher in «Facts». Entgegnung: Damit bliebe er deutlich länger im Amt als Adenauer. Blocher: «Ja, aber Adenauer war Kanzler. Das zählt doppelt.» Nachfrage: Er benötigt länger, um durchzusetzen, was er durchsetzen will? Blocher: «Ja, weil ich nur Bundesrat bin.» In Blochers Büro hing eine Karikatur von Raymond Burki. Sie zeigte Blocher mit Peitsche auf dem Wagen, wie er die Regierung dirigierte. Ein schelmisches Lachen überzog sein Gesicht, als er die Karikatur erklärte: «Es gibt ein Anker-Bild, auf dem sieben Kinder mit diesem Wagen zu sehen sind. Burki hat die Kinder durch Bundesräte ersetzt und sagte, ich soll den Fuhrmann spielen.» Blocher betont, er komme sogar zweimal vor. «Als Blocher, der auf dem Bild ist, und als Blocher, der das Bild zeigt.» So sah sich Blocher: als Retter und Lenker der Geschicke der Schweiz. Nichts zeigte das deutlicher als sein Üetliberg-Auftritt vom 28. Dezember 2006. Seit 2004 habe eine Rückbesinnung auf die erfolgreichen und bewährten schweizerischen Werte eingesetzt, sagte er in seiner «Standortbestimmung vor dem Wahljahr 2007». Es war ein rastloser, oft verbissener Blocher. Der Beste halt. Der mit nur drei bis vier Stunden Schlaf auskam und Raubbau am eigenen Körper betrieb.

Am 11. Oktober 2010 wird Blocher 70. Es ist ein neuer Christoph Blocher. Er hat Distanz gewonnen zur Abwahl von 2007. Schon vor Monaten sagte er, Bundesrat sei kein Thema mehr für ihn. Seine Verbissenheit ist weg. Er hat seine Endlichkeit entdeckt. Seine Demut vor Alter und Gesundheit. Das macht ihn noch erfolgreicher. Und für seine Gegner gefährlicher.