Gut ist in einer Demokratie, wenn möglichst viele Bürger an einer Wahl teilnehmen. Interessant: Die Horror-Show Trump gegen Clinton scheint die Bürger zu mobilisieren. Noch nie haben sich so viele Amerikaner als Wähler registriert. Üben sie ihr Wahlrecht tatsächlich aus, erhöht dies die Legitimität des Entscheids. Wie dieser ausfällt, ist zwar nach den FBI-Ermittlungen gegen Hillary Clinton wieder offen. Aber die Demokratin bleibt die klare Favoritin. Tritt das wahrscheinlichste Szenario ein, ist es ein historisches Ereignis: 240 Jahre nach Gründung der USA übernimmt erstmals eine Frau das oberste Amt. Ob man Clintons Ansichten teilt oder nicht, ob man sie mag oder nicht: Allein die Tatsache, dass nach 44 Männern eine Frau die Grossmacht regiert, ist epochal. Manchmal braucht es verrückte, bizarre Konstellationen, dass so etwas möglich wird.

Gut ist auch, dass dieser Wahlkampf ein Grundproblem der USA an die Oberfläche gebracht hat, das auch in manchen europäischen Ländern brodelt: Der herrschende Machtapparat wirkt saturiert und abgehoben, er kennt die Sorgen der einfachen Leute nicht mehr. Dass bei den Demokraten der Sozialist Bernie Sanders so weit kommen konnte und dass bei den Republikanern der Polit-Rowdy Donald Trump obsiegte, erweist sich im besten Fall als heilsamer Schock: Die Ängste vieler Bürger, der Verlierer der Globalisierung und derjenigen, die wegen der Zuwanderung um ihren Job bangen, können nicht mehr weggewischt werden.

Clintons entlarvendste Aussage war das Lächerlichmachen der Trump-Wähler: Etwa die Hälfte von ihnen gehörten in einen «Korb der Erbärmlichen» («basket of deplorables»), spottete sie. Sie bedauerte den Satz sogleich, aber er war raus. Das zeigte, wie sie denkt. Wie Trump hat auch Clinton ihren «Locker Room Talk», und man hört ihn bisweilen in privilegierten Kreisen auch in der Schweiz: Wer die Welt nicht so sieht wie wir, ist dumm, rassistisch, erbärmlich. Diese Arroganz wird sich in einer Demokratie früher oder später rächen. Diesmal geht es wohl nochmals gut, denn Trump hat sich selber demontiert. Aber bei der nächsten Wahl? Wenn Parteien und Politiker die richtigen Lehren ziehen, sodass Figuren wie Trump ihren Nährboden verlieren, dann hätte dieser Wahlkampf sein Gutes gehabt.

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