Der Kommentar: In Zeiten, wo wir Devisen- und Aktienkurse in Echtzeit über unsere Handys abrufen, geht schnell der Blick für langfristige Bewegungen verloren. In den beiden Ölkrisen der 70er-Jahre hat sich der Wert des Frankens zu den anderen wichtigen Währungen mehr als verdoppelt. Nach dem «schwarzen Montag» an den Börsen 1987 schoss der Franken um 15 Prozent in die Höhe. Ähnliches geschah nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York.

Jetzt erleben wir wieder eine Aufwertung, um (historisch wenig spektakuläre) 14 Prozent stieg der Franken gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn. Hauptgrund sind diesmal die desolaten Staatshaushalte der Euro-Länder und der USA. Die aktuelle Aufwertung hat sichtbare Folgen: Die Aargauer Firma Injecta mit 110 Mitarbeitern kündigte diese Woche unter anderem wegen Exportschwierigkeiten die Schliessung an, weitere Unternehmen verlagern einen Teil ihrer Produktion ins Ausland (Seite 22).
Das ist schmerzhaft und bedauerlich.

Doch zugleich sind Zehntausende von exportorientierten Klein- und Mittelunternehmen daran, die Frankenaufwertung brillant zu meistern. Sie haben ihre Kosten gesenkt, ihre Produktivität verbessert und diversifizieren zunehmend nach Asien. Die jüngste Frankenaufwertung ist ein Fitnessprogramm für die Unternehmen, das kurzfristig wehtut, langfristig aber ihre Konkurrenz- und Überlebensfähigkeit verbessert. Ein Mechanismus, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholt gespielt hat – und dazu beiträgt, dass Schweizer Firmen heute zu den wettbewerbsfähigsten der Welt gehören.

Auch für die Bürger ist der harte Franken gut. Er hält die (Hypo-)Zinsen tief, wovon Millionen von Hauseigentümern und Mietern profitieren. Denn die Nationalbank kann die Zinsen nicht erhöhen – sonst würde der Franken noch stärker. Ebenfalls positiv: Unser Lohn- und Sparfranken entfaltet weltweit eine immer grössere Kaufkraft. Der Wohlstand steigt.

Die Aufwertung des Frankens widerspiegelt letztlich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Solidität der Schweiz. Das sollten wir – bei allen verständlichen Warnrufen aus der Exportindustrie – nicht vergessen.