Der Kommentar: In der Branche atmet man leicht auf. Denn das Weihnachtsgeschäft geriet nicht zum Fiasko. Dabei war die Angst bei Migros, Coop und allen anderen Händlern gross, dass die Kundschaft ihre Geschenke ennet der Grenze besorgen würde. Nach fast zwei Jahren emotionalen Debatten kommt also wieder etwas Ruhe in den Detailhandel. Zeit für ein Fazit.

Der Einkaufstourismus tat gut, trotz aller negativen Aspekte. Denn erstmals seit dem Markteintritt von Aldi und Lidl wurden die Schweizer Händler und ihre ausländischen Markenlieferanten wieder wachgerüttelt. Und das war bitter nötig.

Anfangs geisselten Coop und Migros die Fahnenflüchtlinge. Mit der Folge, dass viele vor den Kopf gestossene Kunden erst recht nach Konstanz oder Lörrach fuhren. Was die Händler zu wenig realisierten: Ihre Kundschaft will in der Schweiz einkaufen – aber sie will nicht für dumm verkauft werden. Doch genau das wurde sie, wie die zahlreichen Preisvergleiche in den Medien immer und immer wieder zeigten. Danach schoben sich Händler und Lieferanten gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Aber erst die regelmässigen Preissenkungen sorgten für eine leichte Trendwende und verhinderten wohl gerade noch rechtzeitig einen Stellenabbau im grossen Mass.

Den Detailhändlern und Lieferanten gingen wegen des Einkaufstourismus Milliarden von Franken flöten. Das ist schmerzhaft. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ihre Kosten- und Preisstruktur genau im Auge zu behalten, wohl auch die Kosten von Arbeitsplätzen. Denn der Preiskampf findet nicht mehr nur zwischen Migros und Coop statt, sondern zwischen der Schweiz und dem Ausland.

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