Antwort von Oswald Grübel: «Yes we can» hat noch einmal vier Jahre bekommen, um
zu zeigen, was es kann. Es scheint, dass sich Europa mehr darüber freut als das politisch gespaltene Amerika. Der Wahlkampf war hart, aber die Republikaner konnten nicht überzeugen, dass sie die bessere wirtschaftliche Lösung für die Zukunft haben. Oder erleben wir gerade das Ende des amerikanischen Traums? Ich glaube noch nicht. Wenn aber in vier Jahren die Demokraten wieder gewinnen, muss die Situation neu beurteilt werden.

Das Wahlresultat beruht auch darauf, dass am Anfang einer Krise Wähler weniger risikofreudig sind als mitten in der Krise. Man kann vermuten, dass die USA weitere Abstriche an ihrer politischen Weltherrschaft machen werden. Das freut natürlich die anderen Staaten, wird aber zu vielen neuen Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen führen. Der Staatsanteil an der Wirtschaft wird steigen, jedoch höchstens vorübergehend zu mehr Wirtschaftswachstum führen.

Obama will die USA grundlegend verändern, mit mehr sozialer Absicherung näher zum europäischen Modell bringen. Das ist eine fundamentale Abkehr vom Prinzip der Eigenverantwortung, das tief im amerikanischen Denken verankert ist. Die Aussichten für die Weltwirtschaft werden durch die Wahl leider nicht rosiger. Wir müssen uns wohl auch für die nächsten vier Jahre mit tiefem oder keinem Wirtschaftswachstum abfinden, da die Motoren Europa und USA am Stottern sind. Einzig die Rüstungsindustrie und die Notendruckmaschinenhersteller werden sich weiter gut entwickeln.

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