Der Kommentar: Die deutschen Sozialdemokraten und Grünen feiern die Ablehnung des Steuerabkommens mit der Schweiz wie einen Sieg – einen Sieg über die Steuerhinterziehung. Doch schneller als erwartet wird klar: Das Nein kommt Deutschland teuer zu stehen. Der Milliarden-Geldregen, den die Abgeltungssteuer über Berlin hätte niedergehen lassen, wird ausbleiben. Für immer.

Denn die Banken sind schneller als die Politik. Sie haben gemerkt, dass unversteuerte Vermögen jetzt zu riskant geworden sind. Jeder CD-Kauf, der Steuersünder auffliegen lässt, bringt gewaltige Reputationsschäden mit sich. Darum greifen UBS, CS & Co. zur Ultima Ratio: Sie schmeissen die gefährlichen Kunden hochkant raus. Jene Kunden, an denen sie über Jahrzehnte viel Geld verdient haben.

Die Banken machen es sich damit allzu einfach. Sie verhalten sich einmal mehr opportunistisch. Aber wir leben im Kapitalismus. Steuersünder waren einst wertvoll wie Gold, nun sind sie zu Dynamit geworden, das eiligst entschärft werden muss. Müssen wir mit den Kunden, die derart unanständig behandelt werden, Mitleid haben? Mit Leuten also, die ihren eigenen Staat mehr als unanständig, nämlich betrügerisch, behandelt haben? Wohl kaum.

Wenn deutsche Politiker nun aber glauben, diese Steuersünder würden reumütig in ihrer Heimat ein Konto eröffnen und das Vermögen anmelden, sind sie naiv. Die Schweiz wird jetzt sauber, aber es gibt – in Grossbritannien, in den USA, in Singapur – genügend Banken, die das schmutzige Geld noch so gern entgegennehmen. Und diese Länder werden gewiss nie bereit sein, mit Deutschland ein Steuerabkommen abzuschliessen, wie es die Schweiz angeboten hat.

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