Der Kommentar: Wenn einem Unternehmen das Wasser bis zum Hals steht, ist eine vorübergehende Erhöhung der Arbeitszeit ein taugliches Mittel zur Rettung der bedrohten Arbeitsplätze. Wenn bei einem Unternehmen der Gewinn einbricht, ist es nachvollziehbar, dass es Stellen streicht. Und wenn bei einem Unternehmen vorübergehend die Aufträge zurückgehen, ist es sinnvoll, dass es Kurzarbeit verhängt und so die Mitarbeiter vor der Entlassung bewahrt.

Unanständig ist es hingegen, Zeter und Mordio zu schreien, das Personal bluten zu lassen – und dann die Aktionäre mit höheren Dividenden zu verwöhnen.

Man muss kein Linker sein, um zu diesem Schluss zu kommen. Der freisinnige Wirtschaftsminister
Johann Schneider-Ammann sagte im vergangenen Jahr gegenüber dem «Blick»: «Wer bei gleichem Lohn länger arbeiten lässt, kann kaum Dividenden ausschütten.» Das sei wohl für die Unternehmer selbstverständlich, fügte der ehemalige Präsident des Maschinenbauverbandes Swissmem an.

In dieser Hoffnung wurde er getäuscht. Viele Firmen scheren sich nicht darum. Nicht einmal sein Nachfolger bei Swissmem, Hans Hess, folgte den Worten des FDP-Bundesrates. Zuerst schickte er
einen Teil seiner Angestellten in die Kurzarbeit – jetzt erhöht er die Dividende seiner Firma.

Letztlich heisst das, dass der Staat mit seinen Kurzarbeitsentschädigungen die Dividende von Hess mitfinanziert. Auch das ist unanständig.

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