Der Kommentar: Selbst in diesem verrückten Wahlkampf lassen solche Töne aufhorchen. Ein «Clown» sei Donald Trump, verkündete Marco Rubio diese Woche, ein «Bauernfänger». Trump nannte Rubio im Gegenzug ein «Leichtgewicht».

Wohlgemerkt: Hier sprechen zwei Parteifreunde übereinander, zwei republikanische Präsidentschaftskandidaten. Aussergewöhnlich an dem Wortwechsel ist, dass Rubio sich gerade jetzt dazu entschied, Trump mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Schon klar: Am Dienstag findet in einem Dutzend Staaten die nächste Runde im Vorwahl-Zirkus statt. Rubio aber hätte Trump schon viel früher attackieren können. Denn Trump ist sich in den vergangenen Wochen treu geblieben; für langfädige Debatten über programmatische Grundsätze hat der New Yorker keine Zeit. Die Triebfedern seiner Kandidatur sind sein übergrosses Ego und ein gutes Gespür für den Massengeschmack.

Mit dieser Mischung spricht er vornehmlich weisse Amerikaner an, die sich als Konservative bezeichnen, am politischen Prozess aber nicht teilnehmen – weil sie sich von «Washington» nicht mehr ernst genommen fühlen. Trump gelang es, durch schieres Charisma, diese Wutbürger wieder in den politischen Prozess zu integrieren. Und genau hier liegt das Problem für die Republikaner. Will die Partei auch in Zukunft politisch den Ton angeben, ist sie auf die Trump-Republikaner angewiesen. Rubio muss deshalb das Kunststück gelingen, Trump in den Senkel zu stellen, ohne dass er seine Anhänger vor den Kopf stösst. Das klingt nach einem Höllenkommando. Kein Wunder, wartete der smarte Senator aus Florida bis zum letzten Moment.

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