Es ist richtig, dass man über die Risiken von «Big Data» diskutiert, gerade in einer direkten Demokratie. Und auch vor dem Hintergrund der millionenteuren E-Voting-Projekte, an denen Bund und Kantone arbeiten. Facebook-Likes auswerten ist das eine. Was aber, wenn es Datenschnüfflern gelingt, an elektronisch übermittelte Abstimmungs- und Wahlentscheide von Bürgern heranzukommen? Man fragt sich mehr denn je, ob der Nutzen, den die elektronische Stimmabgabe mit sich brächte, nicht in einem krassen Widerspruch zu den Risiken steht.

Darüber wurde bislang kaum gesprochen, vielmehr dreht sich alles um die Frage: Wie einfach ist die Meinung der Bürger manipulierbar, wenn man sie zielgerichtet – sei es mit richtigen oder mit falschen Informationen – anspricht? So, wie das Hillary Clinton ebenso wie Donald Trump getan hat? Für die USA ist das schwer zu beurteilen, aber die Gefahr in der abstimmungserprobten Schweiz scheint heute überschaubar zu sein. Dass sich Mehrheiten an der Urne nicht mit Geld kaufen lassen, zeigt sich immer wieder; sehr deutlich etwa 2010, als die Senkung des Renten-Umwandlungssatzes mit 73 Prozent abgelehnt wurde, obwohl die Befürworter viermal mehr Geld in die Kampagne gesteckt hatten als die Gegner. Dass sich Mehrheiten mit Daten kaufen lassen (wofür es ebenfalls Geld bräuchte), ist zurzeit ebenfalls kaum vorstellbar. Zumindest solange es Facebook nicht einmal fertig bringt, Werbung in meine Timeline einzuspeisen, die meinen Interessen entspricht: «Micro-Targeting» funktioniert bislang nur mangelhaft.

Aber klar: Die Technologien werden sich verbessern. Die Swisscom schlägt nun vor, dass der Staat Algorithmen reguliert. Das muss diskutiert werden. Zweifellos das beste Mittel gegen Manipulation ist aber etwas anderes: Unsere Demokratie lebt von mündigen, kritischen, gut informierten Bürgern. Weder Gesetze und schon gar nicht Zensur werden verhindern können, dass versucht wird, Meinungen mit Fake News und Datenzauberei zu beeinflussen. Bildung hilft hier am meisten – womit wir wieder bei Pisa wären. Lesen können: Das ist die Grundlage für freie Meinungsbildung und kritisches Denken. Dass viele Jugendliche hier Defizite haben, ist bedenklich. Für unsere Schulen, aber auch für die Eltern. «Zuhause muss beginnen ...», wusste Jeremias Gotthelf schon vor 200 Jahren, und im digitalen Zeitalter gilt das mehr denn je.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.