Diese Episode stammt nicht aus einem Science-Fiction-Roman. Geht es nach den Vorstellungen von Dagmar l’Allemand, leitende Ärztin am Ostschweizer Kinderspital und Vorstandsmitglied des schweizerischen Fachvereins Adipositas im Kindes- und Jugendalter, könnte sie bald bittere Realität für Tausende Schweizer Familien werden. Sie propagiert mit anderen Fachleuten in einer vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) finanzierten Studie, dass 118 000 Schweizer Kinder dringend ein mehrjähriges Fett-weg-Programm durchlaufen müssen. Die Kinder «müssten» behandelt werden, da sie an Gelenk- und Kreislaufproblemen oder unter Bluthochdruck litten.

Bisher durchliefen nur wenige Kinder diese Therapien, die seit Anfang Jahr von den Krankenkassen bezahlt werden. Das Potenzial für die Therapeuten ist somit riesig. Die Kostenfolge für die Allgemeinheit auch: Eine Behandlung schlägt mit 8400 Franken zu Buche. Müssen die Kassen alles übernehmen, steigen die Gesundheitskosten in der Grundversicherung um fast eine Milliarde Franken.

Das staatliche Fett-weg-Programm für Kinder ist ein weiteres überdeutliches Zeichen für den Präventionswahn, den unsere Gesellschaft erfasst hat. Die Lust des medizinischen und therapeutischen Personals, die Menschen zu normieren und sie durch Schablonen zu pressen, lässt sich kaum mehr stoppen. Das Bundesamt für Gesundheit kämpft dabei an vorderster Front dafür, dass immer mehr Formen des menschlichen Lebens für krankhaft erklärt werden. Gesund ist das nicht mehr.

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