Der Kommentar: Der Sicherheitsexperte Sandro Gaycken bringt die Situation auf den Punkt: «Wir haben eine IT, von der wir bis in die kleinsten Verästelungen unserer Gesellschaft abhängig sind und die zudem grundsätzlich unsicher ist.» Jedes Computersystem weist Sicherheitslücken auf, die von Hackern ausgenutzt werden können. Wie leicht auch in Netzwerke von grossen Firmen eingedrungen werden kann, zeigte sich vor einem Jahr. Hacker der Gruppe Anonymous griffen Sonys Playstation Network an und erbeuteten Kreditkartendaten von mehreren Millionen Kunden.

Die Aktivisten prahlten mit ihrem Coup im Internet. Wirkliche Kriminelle, Firmen und Regierungen freuen sich im Stillen über erfolgreiche Cyberangriffe. Spionage in Firmennetzwerken ist die tägliche Realität – auch in der Schweiz. Und Sabotageaktionen von Industrieanlagen durch Hacker sind nicht grundsätzlich auszuschliessen.

Der Bundesrat tut deshalb gut daran, seine Strategie zur Cybersicherheit zu überdenken. Eine personelle Aufstockung ist unverzichtbar. Zurzeit verfügt die bei Cyberangriffen vorrangig zuständige Meldestelle MELANI über lediglich 6,8 Personenstellen. Noch wichtiger ist es jedoch, die Firmen zur Durchsetzung von Sicherheitsstandards zu bringen. Ferner muss jeder einzelne Verantwortung wahrnehmen, indem er Software-Updates für seinen Computer und sein Handy regelmässig durchführt.

Der Auftrag zur Stärkung der IT-Sicherheit darf aber von den Behörden nicht als Freipass für eine systematische Speicherung von Daten der Bürger verstanden werden. Die restriktive Kontrolle der Internetnutzer macht unseren Staat kaum sicherer, sondern ist höchstens ein Schritt hin zum Überwachungsstaat.

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