Der Kommentar: Vielleicht entfaltet Didier Cuches Silberfahrt nun jene Wirkung, die im bisher kraftlosen Schweizer Team endlich Energien freisetzt. Es war beeindruckend, wie druckresistent sich Cuche zeigte. Wir sehen schon längere Zeit nicht mehr den verbissenen, hadernden Cuche.

Sondern einen leidenschaftlichen, charismatischen und fairen Sportsmann. Cuche stand nicht nur im Fokus der nationalen, sondern auch der internationalen Medien – so gab er dem deutschen «Spiegel» ein grosses Interview. Nachdem die ersten Rennen mit drei vierten Plätzen für die Schweizer so unglücklich verlaufen sind und mit Janka ein wichtiger Trumpf für die Abfahrt ausgefallen ist, steigerte sich der Druck auf Cuche ins Unermessliche. Deshalb ist seine Silbermedaille Gold wert. Und deshalb hoffen wir, dass er Ende Saison nicht zurücktritt.

Bei den Herren scheint in der Super-Kombination (Zurbriggen) und im Riesenslalom (Cuche, Janka, Viletta) je eine Medaille realistisch. Zum Slalom starten Zurbriggen und Gini aber in der Aussenseiter-Rolle. Diese Zwischenbilanz ergäbe drei Medaillen – also drei zu wenig. Es braucht deshalb wie so oft einen Effort der Frauen, um das von Swiss Ski verordnete Ziel mit sechs Medaillen zu erreichen.

Während im Riesenslalom und im Slalom den Schweizerinnen kaum eine Chance auf einen Podestplatz zugetraut werden kann, zählen sie in der Abfahrt (Start heute um 11 Uhr) mit Gisin, Suter und Gut zu den Medaillenanwärterinnen. Ausserdem müssen unsere Frauen auch im Teamwettbewerb ihren Anteil leisten, damit die geplante Medaille Realität wird.

Unsere Ski-Ladies sollen sich ein Beispiel an den Appenzellerinnen des 15. Jahrhunderts nehmen. Am 17. Mai 1405 waren die Habsburger nahe dran, das Appenzellerland einzunehmen. Die wackeren Einheimischen, in der Minderheit und schlechter ausgerüstet, schienen schon geschlagen – ehe die Appenzellerinnen in Männerkleider schlüpften und mit Küchengeräten einen gewaltigen Krach veranstalteten, sodass die Habsburger aus Angst vor einer mächtigen Nachhut den Rückzug antraten. Also, liebe Schweizerinnen: Macht heute tüchtig Lärm!