Der Kommentar: Wenigen Sportlern ist es vergönnt, auf dem Höhepunkt abzutreten. Beispiele von «verpassten» Abgängen gibt es zuhauf. Didier Cuche kreierte eine neue Dimension des Abschieds. Er gab seinen Rücktritt vor dem Höhepunkt bekannt.

Cuche feierte, von der skisportlichen Attraktion her, in Kitzbühel spektakulärere Siege als gestern. Aber wie er dieses Rennen bei diesen Verhältnissen mit einer ungünstigen Nummer auf einer so kurzen Strecke mit einem schon deutlichen Rückstand (28.!) zurechtbog, war einsame Klasse. Er wertete damit auch eine Hahnenkammabfahrt, oder vielmehr einen Abfahrtstorso, zu einem denkwürdigen Rennen auf. Sogar Österreicher, die sich zu dritt hinter ihm klassierten, zitterten um den Sieg von Cuche.

Fast keiner der grossen Schweizer Abfahrer ist auf dem Höhepunkt abgetreten. Roland Collombins Karriere ging nach einem fürchterlichen Sturz in Val d’Isère zu Ende. Bernhard Russi setzte nach einem 14. Rang in einer WM-Abfahrt den Schlusspunkt mit der Begründung: «Es gibt im Leben mehr Verlierer als Sieger. Deshalb trete ich gerne als Verlierer ab.» Franz Heinzer purzelte bei einer Olympia-Abfahrt schon beim Start aus der Bindung. Peter Müller überwarf sich zum Schluss mit dem Cheftrainer. Nur Pirmin Zurbriggen schaffte einen fliessenden Übergang vom Sport- ins Privatleben.

Didier Cuche ist ein Skirennfahrer der besonderen Art, wie es sonst keinen andern gibt. Die Krönung seiner Karriere in Kitzbühel wird in die Sportgeschichte eingehen. So lässt sich leicht verkraften, dass Olympia- und Lauberhornsiege in seinem Palmarès fehlen.

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