Antwort von Oswald Grübel: «Die Forderung der Nationalbank an die Grossbanken, ihre Kapitalbasis zu verstärken, ist nicht neu. Neu ist die ausdrückliche Forderung an die Credit Suisse, ihr Kapital noch in diesem Jahr zu erhöhen. Dies löste einen Kurssturz der CS-Aktie von 10 Prozent aus.

Grund dafür ist, dass Aktionäre befürchten, die CS müsse eine Kapitalerhöhung machen, was negative Folgen für den Aktienkurs hätte.

Sie hat aber auch die Möglichkeit, ihre Bilanz entsprechend zu reduzieren und damit indirekt ihr Kapital zu erhöhen, oder beide Schritte zu machen. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass die CS-Aktie empfindlicher nach unten reagiert, weil die Bank viele Zwangswandelanleihen ausstehen hat.

Die Forderungen nach einer höheren Kapitalisierung der Banken bis 2019 sind global und werden von Land zu Land unterschiedlich umgesetzt. Die Schweiz hat die weltweit höchsten Anforderungen an ihre zwei Grossbanken, wodurch sie zu den sichersten gehören. Zwar haben auch sie hohe Hypothekar- und KMU-Risiken, diese sind aber durch die Einlagen der internationalen Privatkunden mehr als gedeckt und das risikoreiche Investmentbanking wird seit letztem Jahr laufend reduziert.

Die weltweit höheren Kapitalanforderungen werden uns in Zukunft sehr sichere Banken bescheren – aber leider kein Wirtschaftswachstum. Wirtschaftswachstum kann es nur mit Kreditkreierung geben, und das steht im Widerspruch zu schrumpfenden Bankbilanzen und Kapitalerhöhungen.»

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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