Der Kommentar: Das holzgetäfelte Verwaltungsratszimmer der Credit Suisse galt einst als eine der feinsten Adressen des helvetischen Kapitalismus. Vor 20 Jahren sassen in diesem Gremium prägende Figuren wie Ulrich Bremi, Helmut O. Maucher, Thomas Schmidheiny oder Rainer E. Gut. Die abtretenden Mitglieder Peter Brabeck und Walter Kielholz sind seit 1997 beziehungsweise 1999 Mitglieder im CS-Verwaltungsrat.

Mit ihrem Ausscheiden verliert das oberste Gremium der zweitgrössten Bank der Schweiz deutlich an Strahlkraft und Kompetenz. Die zur Wahl vorgeschlagenen Mitglieder, Roche-CEO Severin Schwan und Google-Professor Sebastian Thrun, haben nicht annähernd die Erfahrung, das Know-how und das Beziehungsnetz, die es braucht, um eine der grössten Investmentbanken und bedeutendsten Vermögensverwalter der Welt überwachen zu können.

Die bankfachliche Kompetenz schrumpft im neu besetzten Verwaltungsrat auf eine einzige Person: Richard Thornburgh, der in früheren Jahren bei der CS Finanzchef und oberster Risikochef war. Alle anderen inklusive Präsident Urs Rohner kennen dieses Kerngeschäft des Bankings nicht aus eigener Erfahrung. Wie soll dieses Gremium in der Lage sein, potenzielle Eiterbeulen in der Bilanz zu erkennen und aufzustechen? Ebenso gravierend ist der fehlende Draht zur Politik: Zwar sitzt mit Jean-Daniel Gerber ein ehemaliger Seco-Chef im Verwaltungsrat, doch diese Woche bewies die Bank mit ihrer schrillen Kommunikation zur Weko-Untersuchung erneut, dass sie den Kontakt zu Bern komplett verloren hat. Vor 20 Jahren wäre das nicht passiert.

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