Manchmal geht es blitzschnell in der Politik. Eben noch stand die FDP in Zürich als grosse Siegerin da, mit besten Prognosen für die eidgenössischen Wahlen im Oktober. Christa Markwalder konnte die Wochen bis zu ihrem Karrierehöhepunkt zählen: der Kür zur höchsten Schweizerin. Dann, vor zehn Tagen, erschien ein Artikel in der NZZ mit dem Titel: «Lobby-Affäre um Markwalder – Kasachische Manöver im Bundeshaus.» Seither ist die Welt der FDP und von Christa Markwalder eine andere.

Aber ist der Vorfall so gravierend? Der riesige Wirbel gerechtfertigt? Haben sich nicht auch schon andere Politiker von Lobbyisten, PR-Leuten und bisweilen auch von Journalisten einspannen lassen – und geheime Informationen aus Kommissionen herausgegeben? Darüber lässt sich trefflich diskutieren, endlos, problemlos bis zu den Wahlen. Doch die Diskussion ist müssig. Denn der Geist ist aus der Flasche, und er wird nicht mehr dorthin verschwinden.

Christa Markwalder hat erstens Fehler gemacht und zweitens das Pech, dass nun an ihrem Beispiel eine Debatte geführt wird, die schon längst hätte geführt werden müssen: über den Einfluss des Lobbyings in unserem Milizparlament und über käufliche Politik. Dass Markwalder der FDP angehört, die den Parfümgeruch der verfilzten Wirtschaftspartei erst gerade abgeschüttelt hat, wirkt nicht debattenverkürzend. Das mag Christa Markwalder unfair erscheinen, doch es ist eine Realität. Ebenso, dass die allermeisten Bürger kein Verständnis haben für das, was sie getan hat.

«Ich nicht, die anderen auch» ist keine Verteidigungsstrategie. Aussitzen schon gar nicht. Markwalder riskiert sonst dreierlei: Erstens die Abwahl am 18. Oktober, weil sie uneinsichtig erscheint. Zweitens eine Zerreissprobe in der FDP, die zwischen Unterstützen und Fallenlassen laviert. Und drittens die Sündenbockrolle, sollten die Freisinnigen bei den Parlamentswahlen doch nicht so gut abschneiden wie vor kurzem prognostiziert. Wenn Markwalder die Realität anerkennt und weiteren Schaden von sich, ihrer Partei und dem Nationalratspräsidium abwenden will, kann sie nur zu einem Schluss kommen: ihre Kandidatur für die höchste Schweizerin zurückzuziehen. Auch wenn sie das für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit hält.

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