Der Kommentar: Die Szene war grotesk: Als der künftige Bundesanwalt Michael Lauber vor seiner Wahl ins Bundeshaus wollte, musste er wie ein Besucher durch die Sicherheitsschleuse. Beim Durchgang zur Wandelhalle wollte ihn ein Polizist, der ihn nicht kannte, kaum passieren lassen. Dafür musste sich Lauber im Vorfeld keiner Sicherheitsprüfung unterziehen lassen, obwohl er dazu bereit gewesen wäre. Dabei werden die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse unter die Lupe genommen.

Keine Sicherheitsprüfung bei Lauber, dafür lässt der Bundeskriminalpolizeichef Michael Perler seine Geliebte scannen – von Untergebenen. Um sie dann auf Dienstreise mit in ihre Heimat zu nehmen. Wäre es nicht so naiv, müsste man Perler den romantischsten Chefbeamten in Bern nennen. Doch er hat, wie es das Bundesstrafgericht richtig erkannte, jegliche Einsicht vermissen lassen, dass es in seinem heiklen Job solche Übungen zu amourösen Zwecken schlicht nicht geben darf.

Perler hat sich von seinen Gefühlen leiten lassen. Das war schon bei Armeechef Roland Nef so, der zum Stalker und dann seinen Posten loswurde. Auch bei den Bundesanwälten Valentin Roschacher und Erwin Beyeler waren persönliche Motive im Spiel, als der eine Christoph Blocher und der andere Oskar Holenweger zur Strecke bringen wollte.

Liebe und Rache sind gefährliche Begleiter im Berufsleben, denn sie schalten den Verstand aus. Das kann sich bei Kaderfunktionen in hochsensiblen Bereichen verheerend auswirken. Um das Risiko zu minimieren, sind beim Bund nicht nur einmalige, sondern regelmässige Sicherheitsprüfungen nötig. Sonst ist es eine Frage der Zeit, bis der nächste Chefbeamte stolpert.

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