CHE WERMUTH

Die Schweiz,die Cédric Wermuth vorschwebt, sieht so aus: keine Armee, keine Ausschaffungen, verstaatlichte Betriebe, Vier-Tage-Woche. Kurzum: Der Kapitalismus ist überwunden und der demokratische Sozialismus gefunden. Halleluja, Genosse Wermuth! Doch der Juso-Chef läuft Gefahr, an seinem eigenen Übermut zu scheitern. Wie abgehoben der Shootingstar auftritt, ist auf Facebook nachzulesen. Dort zeigt er Kritikern – wie dem «TagesAnzeiger» – den Stinkefinger: «Schreibt doch bitte in Zukunft lieber wieder über Dinge, von denen ihr etwas versteht. Über Hasen, Pferde und gesunde Rezepte. (...) Es wird langsam peinlich.»

Falsch, Herr Wermuth: Ihre «Klassenkampf-Rhetorik» (Politologe Andreas Ladner) wird langsam peinlich. Als Juso-Chef gehörts ins Repertoire, aber als Vizepräsident erweisen Sie der SP keinen Dienst. Die SP eine Arbeiterpartei? Das war einmal. Jetzt sind mit Wermuth und Co. die Möchtegern-Marxisten am Parteiruder. Eine Art Unfriendly Takeover mit markig-martialischen Worten. Der Kapitalismus müsse «in Köpfen und Herzen bekämpft werden», so Wermuth. Ach ja: Schliesslich starben auch Rosa Luxemburg und Salvador Allende im Kampf.

Ein Hauch Revolutiönchen weht durch die SP. Das ist ein Jahr
vor den Wahlen ziemlich ungeschickt. Für wenige Genossen wird das Profil geschärft, für viele der Antrieb zum Austritt gegeben. Wermuth gefällt sich in der Rolle eines Hobby-Che-Guevara, der zu Showzwecken auch gerne mal öffentlich kifft oder ein Haus besetzt. Das kommt bei den jungen Wilden und den alten Frustrierten gut an. Doch an der Basis rumort es: Erste SP-Sektionen wie Thun und Steffisburg haben sich öffentlich von der linkeren Strategie distanziert.

Christian Levrat machte den rückwärtsgewandten Kurs mit seiner Zauderi-Haltung am Parteitag erst möglich. Als Gewerkschafter und Romand ist er eher ein Vertreter der Arbeiterpartei, aber allein mit klassenkämpferischen Sprüchen trifft er den Ton nicht, schon gar nicht in der Deutschschweiz. So ist die SP auf dem besten Weg, unter 20 Prozent Wähleranteil zu sacken. Die Marxismus-Nummer wird an der Urne keine Prozentpunkte bringen – das sollte ein blitzgescheiter Politbesessener wie Wermuth eigentlich wissen. Es braucht Querdenker wie ihn, doch bevor er in ideologischer Reinheit untergeht, sollte sich Wermuth über seine Rolle in der SP klar werden: Agent Provocateur und Geschäftsleitungsmitglied – beides zusammen geht nicht.

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