Der Kommentar: Die Landwirtschaft hat in den letzten 50 Jahren einen gewaltigen Wandel durchgemacht. Einst heilige Kuh wie das Militär, produzierte sie in einer hochsubventionierten Werkstatt Milchseen und Käseberge, die wiederum teuer verwertet werden mussten. In den Achtzigerjahren probten die Kleinbauern den Aufstand gegen die massive Industrialisierung der bäuerlichen Produktion, was in die grüne Bio-Welle mündete. Heute produzieren 12 Prozent der schweizerischen Bauern biologisch, im führenden Kanton Graubünden sind es sogar 56 Prozent. Insgesamt ist die Landwirtschaft ökologischer und konsumentenfreundlicher geworden.

Doch jetzt droht aus den eigenen Reihen Ungemach. Man glaubt es kaum, aber derzeit stehen nicht weniger als vier Volksinitiativen für eine angebliche Besserstellung der Bauernsame zur Diskussion. Eine Initiative will eine umfassende Ernährungssicherheit erreichen, eine andere verlangt, dass importierte Lebensmittel die gleichen ökologischen Anforderungen erfüllen müssen wie einheimische, eine weitere fordert «Ernährungssouveränität» und will wieder Zölle einführen, und die letzte soll die Spekulation stoppen. Ein Quartett von Begehren, die sich teilweise überlappen, widersprechen, ergänzen, konservativ in die Vergangenheit oder progressiv in die Zukunft schauen.

Wer blickt da noch durch? Die Folge wird ein Durcheinander sein, das im besten Fall dazu führt, dass alle vier Texte, so sie zustande kommen, versenkt werden. Im schlimmsten Falle aber wird der Gesetzgeber vor einem Knäuel sich gegenseitig beeinflussender Einzelbestimmungen stehen, die er kaum umsetzen kann. Dann wäre die Zeit gekommen für das fünfte Begehren: die landwirtschaftliche Durchsetzungsinitiative.

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