Der Kommentar: Wer den PUK-Bericht des Zürcher Kantonsrats zur BVK liest, stösst auf derart viele Ungereimtheiten und Unglaublichkeiten, dass man von einem Dokument des Grauens sprechen muss. Der Befund ist klar: Es liegt ein kollektives Versagen der Politik vor, das zum Milliardenloch in der zweitgrössten Pensionskasse des Landes geführt und das Vertrauen in das Funktionieren des Staates nachhaltig zerstört hat. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen den finanziellen Folgen von politischen Fehlentscheiden und den aus dem «Korruptionsfall Gloor» resultierenden Verlusten. Die Sanierung der BVK dürfte die Zürcher Steuerzahler unter dem Strich mindestens 3 Milliarden Franken kosten.

Die PUK schätzt allein den möglichen Schaden durch das Wirken des fristlos entlassenen Anlagechefs Daniel Gloor auf «einige hundert Millionen bis anderthalb Milliarden Franken». Deshalb hier einige zentrale Punkte, die zeigen, dass dieser niemals hätte Anlagechef werden dürfen, geschweige denn während 15 Jahren dieses Amt mit dieser Machtfülle hätte ausüben dürfen.

Bereits Ende 1995 erteilte ihm FDP-Regierungsrat Eric Honegger einen Verweis, weil Gloor einem Bekannten Kredite gewährt hatte, obwohl dies Sache der Liegenschaftenverwaltung gewesen wäre. Der BVK entstand daraus ein Schaden von 1,8 Millionen Franken. Obwohl der Verweis im Personaldossier dokumentiert war, hatten weder Honegger-Nachfolger Christian Huber noch der spätere direkte Vorgesetzte Kenntnis davon.

Der frühere Oberrichter Huber (SVP) sah auch kein Problem, als sich Daniel Gloor um das Vermögensverwaltungsmandat der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich bemühte und dafür 325 000 Franken pro Jahr hätte erhalten sollen.

2003 wurde bei der CS entdeckt, dass Händler und der frühere CS-Direktor und Gloor-Freund Alfred Castelberg mittels Kursschnitten die BVK betrogen hatten. Das interne Inspektorat empfahl, diesen Sachverhalt dem Zürcher Regierungsrat zu melden. Das passierte jedoch nicht. Castelberg und Gloor konnten weitermachen, ohne entdeckt zu werden. Verschiedene PUK-Mitglieder und andere Involvierte sind dezidiert der Meinung, dass Gloor und seine «Amigos» aufgeflogen wären, hätte die CS informiert. Erst kürzlich zahlte sie 18,9 Millionen Franken an den Kanton Zürich als Wiedergutmachung. Im Gegenzug sah dieser davon ab, die Geschäftsbeziehungen zur CS abzubrechen.

20 Jahre lang kontrollierte die Complementa die Anlagepolitik der BVK, ohne Alarm zu schlagen. Sie erlaubte Gloor, ihre Berichte zuerst zu lesen und zu korrigieren. Dafür durfte sie deutlich zu hohe Honorare abrechnen. Auch als zwei Complementa-Mitarbeiter eine eigene Firma gründeten und kurz darauf ein riesiges Mandat erhielten, schritten die Kontrolleure nicht ein. Einen Hinweis der Complementa auf eine mögliche Befangenheit Gloors bezüglich Castelberg liess Regierungsrat Hans Hollenstein (CVP) unbeachtet.

Der mit Gloor befreundete Rechtsanwalt Christoph Burckhardt (Partner eines früheren bekannten FDP-Kantonsrates) vertrat die BVK juristisch, ohne darüber detailliert abzurechnen. «Trotzdem bezahlte die BVK alle Honorarnoten anstandslos», schreibt die PUK.

Im PUK-Bericht wimmelt es von solchen haarsträubenden Beispielen. Sie illustrieren, wie gutgläubig, unbedarft, unprofessionell, ja fahrlässig die für die BVK zuständigen Regierungsräte agierten. Den Regierungsrat als Gremium als Hauptverantwortlichen zu brandmarken, wie dies die PUK getan hat, greift aber zu kurz. Die Kontrolle der Regierung obliegt dem Kantonsrat beziehungsweise seiner Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission. Versagt hat also auch das Parlament selbst.

Trotzdem findet sich niemand, der zu seiner Verantwortung steht. Aus Angst vor allfälligen Klagen halten sich die früheren Chefs von Daniel Gloor bedeckt. Die amtierende Exekutive verliert kein Wort über das Versagen der Vorgänger und deutet stattdessen den PUK-Bericht in bester PR-Manier als Unterstützung «der Vorwärtsstrategie des Regierungsrates» um. Auf der politischen Ebene überwiegen die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Nur eines steht jetzt schon fest: Die Zeche für das BVK-Debakel bezahlt der Steuerzahler. Von daher wäre die Übernahme der politischen Verantwortung wenigstens ein Zeichen von Reue und Demut gewesen. Aber selbst dazu fehlt den Politikern der Mut.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!