In der ersten Halbzeit präsentierten sich der Bundesrat und die Unterhändler wie unsere Fussball-Nati zu Zeiten ohne die treffsicheren Secondos: Man stolpert in der eigenen Platzhälfte herum und glaubt nicht an den Erfolg – oder, schlimmer noch, sucht ihn nicht einmal. Die Erklärung: Im Aussendepartement und in der Diplomatie schämen sich viele für den Entscheid vom 9. Februar 2014. Sie sind wie paralysiert. Entwaffnend ehrlich formulierte es der Botschafter in Berlin, Tim Guldimann, der nun, wo er zurückgetreten ist und (für die SP) in die Politik einsteigt, frei reden kann: «Wir werden bis zum Februar 2017 keine Lösung mit Brüssel erzielen.» Er fordert, den Verfassungsartikel durch eine neue Abstimmung zu kippen.

Die Vergleiche mit den Griechen und ihrem Regierungschef Tsipras sind in vielerlei Hinsicht schief, aber was den Kampfgeist betrifft, könnten sich die Schweizer ein Vorbild an ihnen nehmen. Dass Tsipras jetzt die EU noch mit einem Referendum, wie wir es aus unserer direkten Demokratie kennen, unter Druck setzt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Immerhin: Ein Stück weit scheint jetzt, wo die zweite Halbzeit begonnen hat, der Bundesrat erwacht zu sein. Nachdem er bislang immer defätistisch verlauten liess, die Personenfreizügigkeit sei für Brüssel nicht verhandelbar, sagte Aussenminister Didier Burkhalter diese Woche, es gebe einen gewissen Spielraum. Gleiches hatte Angela Merkel, die bald in die Schweiz kommt, übrigens schon kurz nach der Abstimmung gesagt, ebenso François Hollande bei seinem Besuch in Bern.

Rätselhaft bleibt, wieso der Bundesrat erst jetzt auf die Idee kam, mehrere Dossiers, über die er mit der EU verhandelt, zu verknüpfen und durch einen Chefunterhändler zu koordinieren. Und vor allem: Warum er das nur halbherzig tut. Wichtige Pfande wie die Schweizer Kohäsionsmilliarden für die EU-Oststaaten und den automatischen Informationsaustausch bei den Bankdaten hat er grösstenteils schon preisgegeben. Der Erfolgswille fehlt noch immer. Vielleicht bräuchte es den einen oder anderen Secondo im Verhandlungsteam.

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