Der Kommentar:In Deutschland geht der Verfassungsschutz davon aus, dass der Islamismus die grösste Bedrohung für die innere Sicherheit ist. Deshalb überwacht er extremistische Organisationen und Personen. 2008 zählte der Verfassungsschutz 34 720 Personen, die Mitglied islamistischer Organisationen waren. Trotz dieser Bedrohung darf der Bürger das Gefühl haben, dass der Staat die islamistische Szene überwacht, ihre Akteure kennt und – hoffentlich – eingreifen kann, bevor es zu Gewalt kommt.

Und in der Schweiz? Informationen darüber, wie der Bund mit dem explosiven Thema umgeht, gibt es derzeit nicht. Auf die Frage, wie sich das Bundesamt für Polizei mit dem Islamischen Zentralrat befasst, erhielt der «Sonntag» die Antwort: «Gar nicht.» Und wurde an den im Verteidigungsministerium (VBS) beheimateten Nachrichtendienst des Bundes (NDB) verwiesen. Auch dort erhielt der «Sonntag» keinerlei Antwort auf seine Fragen – ausser der Feststellung, dass der NDB nur nach innen, nicht aber nach aussen informiert. Statt Auskunft zu geben, verwies das VBS auf Islamwissenschafter an den Universitäten, konnte aber keine Namen nennen.

Diese Reaktion ist nicht nur absolut unverständlich. Sie ist unprofessionell und unvernünftig, gerade vor dem Hintergrund, dass das Dauerthema Islam bei der Bevölkerung Ängste auslöst. Der Bund erweckt mit seinem Verhalten den Eindruck, es gehe die Bürger dieses Landes nichts an, wie der Staat gegen den Islamismus vorgeht – wenn er überhaupt etwas tut. Denn sogar das wollen die zuständigen Stellen nicht verraten. Dabei wäre gerade bei diesem Thema Transparenz vonnöten. Wie viele radikale Imame gibt es in der Schweiz? Wie viele Organisationen mit Islamismus-Potenzial? Was unternimmt der Bund, um seine Bürger zu schützen? Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Antworten. Niemand erwartet, dass der Nachrichtendienst Details zu seiner Arbeit bekannt gibt. Doch statt der Bevölkerung durch Information ein Gefühl von Sicherheit zu geben, schweigt die offizielle Schweiz – und agiert damit nicht anders als die Islamisten: im Dunkeln und unter dem Mantel der Verschwiegenheit.