Was muss jetzt geschehen? Die Wirtschaftseliten haben offensichtlich ein Glaubwürdigkeitsproblem. Ihr Handeln und Tun wird von breiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr verstanden. Ein Problem ist das vor allem für Economiesuisse, den Dachverband der Schweizer Wirtschaft, der Lobbyorganisation der Grosskonzerne. Präsident Heinz Karrer und seine Direktorin Monika Rühl sind dafür bezahlt, solche Schlappen zu verhindern. Sie trifft ganz direkt eine Mitschuld. Ihre Botschaften wurden mit viel Geld unters Volk gebracht, dort aber nicht verstanden. Doch das Problem auf mangelnde Kommunikationskompetenz zu reduzieren, ist zu einfach. Der erste Warnschuss feuerte das Volk bereits vor vier Jahren mit der Annahme der Minder-Initiative ab. Schon damals galt der Verband als abgehoben und elitär. Husch, husch wurden Köpfe an der Spitze der Lobbyorganisation ausgetauscht. Doch Karrer und seine Direktorin konnten es nicht richten. An der Malaise änderte sich nichts.

Das Problem greift tiefer. Wenn ein Unternehmen Tausende Arbeitsplätze streicht, Verluste schreibt und trotzdem Bonuszahlungen ans oberste Management ausrichtet und Dividenden an Grossaktionäre ausschüttet, dann ist das ein Geschäftsgebaren, das den Bürgern nicht mehr vermittelbar ist. Dann muss man sich nicht wundern, wenn die Stimmbürger den Wortmeldungen ebendieser Manager nicht mehr folgen. Die Wirtschaft kann Glaubwürdigkeit nur zurückgewinnen, wenn sie wieder einen Bürgersinn entwickelt. Das ist gerade in einem Land wie der Schweiz von grösster Bedeutung, weil hier jeder Stimmbürger über Wirtschaftsvorlagen entscheiden kann. Das mag für einen globalisierten Manager eine Zumutung sein – doch vergessen sollte er das nie.

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