Bundesrat Hans-Rudolf Merz hat diese Woche etwas für seine Gesundheit getan, und er hat Geist bewiesen. Sein Lachanfall vor dem Nationalrat wurde im Internet zum Renner. Wie er sich krummlacht über die Vorschrift zum Import von gewürztem Fleisch, wie er bei «Bü-, Bü-, Bündnerfleisch» losprustet – herrlich. Jetzt wird der viel gescholtene Bundesrat mit positiven Reaktionen überhäuft.

Logisch, dass wir den abtretenden Finanzminister darauf ansprechen, als wir ihn zum Interview treffen – obwohl vereinbart ist, nur über Wirtschaftsthemen zu reden. Merz witzelt zuerst, er sei «nicht alkoholisiert» gewesen. Um dann der Szene eine ernsthafte Seite abzugewinnen: Viele Bürger hätten leidvolle Erfahrungen mit komplizierten Vorschriften und übertriebener Bürokratie gemacht. Politik ende eben oft «in der Absurdität». Dass darüber selbst ein Bundesrat nur noch lachen könne, sei für viele wohltuend gewesen.

Mag sein. Doch der wichtigere Grund für die Sympathiekundgebungen an den Youtube-Helden Merz («so etwas habe ich noch nie erlebt») ist ein anderer. Wir sind hier nicht Bundesrat Merz begegnet – dem Politiker, der uns in den letzten zwei Jahren zunehmend uneinsichtig (Libyen, Bankgeheimnis) und verkrampft (Streit mit Micheline Calmy-Rey) vorkam. Wir hatten es mit jemand anderem zu tun: mit dem Menschen Merz, echt und ungekünstelt, wie man ihn auch im kleinen Kreis erlebt. Und dessen Lachen so ansteckend wirkt, dass man sich nicht dagegen wehren kann. DAS ist wohltuend!
Den neuen Bundesräten ist zu wünschen, dass sie schon vor ihrem Rücktritt lachen können.