Wir sind stolz darauf, dass man den Bundesräten im Tram oder im Coop allein begegnen kann. Es vermittelt uns ein wohliges Gefühl: Bei uns ist die Welt noch in Ordnung, wir leben in Sicherheit, Terror und Anschläge gibts nur im Ausland. Gleichzeitig wissen wir, wie zerbrechlich dieses Gefühl ist. Passiert eines Tages einmal etwas, wird es verloren sein. Daran mögen wir nicht denken und wissen doch: Der islamistische Terrorismus hält sich nicht an Landesgrenzen.

In Madrid, in Amsterdam, in London, in Toulouse, in Brüssel, in Paris und in Kopenhagen wurden in den letzten Jahren Menschen bei islamistischen Attentaten getötet. Die Schweiz und auch Deutschland wurden bislang davon verschont. Als wir nach den Anschlägen auf «Charlie Hebdo» in Paris den deutschen Innenminister Thomas de Maizière interviewten, sagte er: «Durch gute Polizeiarbeit und durch Glück haben wir grössere Anschläge verhindert.» Und der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer kommt zum Schluss, es sei keine Frage, «ob», sondern «wann» hierzulande etwas passiere: Auch die Schweiz stehe heute, mehr als noch vor wenigen Wochen, im Fokus der Islamisten.

Die neue Lagebeurteilung des Bundes zum Dschihadismus als «Panikmache» abzutun, wäre naiv. Natürlich geht es den Sicherheitsbehörden und dem Nachrichtendienst auch immer darum, ihre Aufgaben zu legitimieren und mehr Kompetenzen einzufordern. Aber die Hinweise auf vermehrte Gefährdungen sind deutlich. Im Kanton Schaffhausen wurden drei mutmassliche Dschihadisten verhaftet. Die Terrormiliz Islamischer Staat hat auch hierzulande eine Anziehungskraft auf Fanatiker, die nach Syrien oder in den Irak ziehen – und womöglich als Terroristen zurückkehren. Deren Zahl hat beängstigend zugenommen.

Wie können wir die Schweiz angesichts der neuen Bedrohung so sicher wie möglich machen, ohne dass unsere Freiheit darunter leidet? Das ist eine zentrale Frage, mit der sich unsere Politik wird befassen müssen. Die Debatte wurde, anders als in den bereits betroffenen Ländern, bei uns bislang kaum geführt. Es geht dabei nicht nur um die Sicherheits-, sondern auch um die Asyl- und die Integrationspolitik.

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