In der Schweiz zeigt eine aktuelle Umfrage bemerkenswert kleine Unterschiede zum Wahlergebnis vor zwei Jahren. Bei SVP, SP, FDP, CVP, Grünen und Grünliberalen betragen die Abweichungen zwischen 0,1 und 0,8 Prozentpunkte. Das ist fast nichts und scheint zufällig. Einzig die Kleinpartei BDP legt etwas zu. Sie gewinnt 2,1 Prozentpunkte.

Es ist nicht allein die gute wirtschaftliche Lage, welche die Stabilität erklärt. In die Zufriedenheit, in unser Gefühl der Wohligkeit mischt sich ein Stück weit Angst, wenn wir sehen, wie schlecht es anderen Ländern Europas geht. Noch ist die Schuldenkrise nicht ausgestanden, wir wissen um unsere wirtschaftliche Vernetzung mit Europa – unser Glück scheint brüchig. Darum drückt sich in den kleinen Prozentabweichungen auch der Wunsch aus: Alles soll so bleiben, wie es ist!

Die politische Grosswetterlage ruft nach dem Bild von der Ruhe vor dem Sturm. Dieser wird kommen, wenn die unvermeidliche Frage virulent wird, wie die Schweiz ihr Verhältnis zur EU künftig regelt. Die Forderungen aus Brüssel liegen auf dem Tisch, um klare Antworten hat sich die Schweiz bislang gedrückt. Jetzt kommt eine klare Ansage des Bundespräsidenten: Ueli Maurer warnt vor einer «Anpassung» an die EU und sagt, unser Land müsse auch vermeintliche Nachteile in Kauf nehmen, um seine Unabhängigkeit zu wahren. Maurer sieht einen Kampf auf die Schweiz zukommen wie 1992 bei der EWR-Abstimmung. Mit der Ruhe könnte es bald vorbei sein.

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