Brüchige Sicherheit

Am Heiligabend stürzt sich in Rom eine verwirrte Frau auf den Papst und reisst diesen zu Boden. Am Weihnachtstag versucht in den USA ein Terrorist einen Airbus mit 280 Menschen in die Luft zu sprengen. In beiden Fällen geschieht nichts. Der Papst bleibt unverletzt, der Terrorist wird von Passagieren überwältigt und später festgenommen.

Es hätten an den beiden Feiertagen aber auch zwei Katastrophen geschehen können.

Die beiden Schreckensmeldungen von Rom und aus den USA haben uns wieder einmal in Erinnerung gerufen, wie brüchig unsere Sicherheit ist. Wie schnell aus dem Courant normal ein Ernstfall werden kann.

Das gilt auch für die Sicherheit vieler Arbeitsplätze. Das Sorgenbarometer der Credit Suisse zeigt, dass die grösste Sorge der Schweizerinnen und Schweizer der mögliche Verlust ihrer Stelle ist. Die Umfragewerte sind innerhalb von einem Jahr in die Höhe geschnellt. Wer kann mit hoher Sicherheit sagen, dass er in einem Jahr seinen Job noch hat?

Mich beeindruckt, wie der Chef des grössten Schweizer Arbeitgebers mit dem Thema umgeht. Wir haben Herbert Bolliger, Chef über 84 000 Migros-Mitarbeiter, zum Interview getroffen – und befürchtet, dass auch sein Unternehmen einen grösseren Arbeitsplatzabbau bekannt gibt. Denn die Preise im Detailhandel schrumpfen, und die Lohnkosten steigen.

Doch Bolliger plant keine Abbauprogramme, sondern verweist auf die soziale Verantwortung der Migros – auch gegenüber ihren Angestellten. Deutlich kritisiert er den brutalen Preiskampf in der Branche, der aus Deutschland über die Grenze schwappt und «ganze Unternehmen und Existenzen vernichtet», wie er sagt. Derselbe Konsument, der beim Einkaufen ein paar Franken spart, verliert vielleicht seinen Arbeitsplatz, weil er bei einem Lieferanten angestellt ist, der gedrückt wird.

In der Verantwortung stehen letztlich wir Konsumenten. Jeder von uns kann dazu beitragen, dass die Sicherheit ein bisschen weniger brüchig ist – zumindest bei den Arbeitsplätzen: Indem wir bewusst einkaufen, im Inland Ferien machen und nicht nach dem Prinzip «Geiz ist geil» leben.

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