Antwort von Oswald Grübel: Dieses Ergebnis erstaunt nicht, spiegelt es doch das Unverständnis vieler dessen, was in den letzten paar Jahren passiert ist. Bonuszahlungen waren einst als eine Gewinnbeteiligung eingeführt worden, zuerst beim Management und dann bei grossen Teilen der Belegschaft von privaten Unternehmen. Sie haben lange Zeit ihren Zweck erfüllt, Management und Mitarbeitern einen Anreiz zu geben, besonders gut zu arbeiten und den Gewinn zu steigern.

In den letzten Jahren sind sie in Verruf geraten, weil sie nicht mehr im Einklang mit dem Unternehmenserfolg waren und weil sie Höhen erreichten, die nicht mehr plausibel waren. Das muss sich ändern und wird sich auch ändern. Es gibt viele Anzeichen, dass wir auf dem Weg zurück zur Normalität sind. Eine nationale Obergrenze jetzt einzuführen könnte sich in Zukunft als Wettbewerbsnachteil herausstellen. Gerade in der Schweiz gibt es viele globale Konzerne, die nicht nur unsere Gepflogenheiten berücksichtigen müssen, sondern auch jene in anderen Ländern. Zudem wäre eine solche Obergrenze leicht zu umgehen, indem die Bezüger hoher Boni innerhalb eines Konzerns in ein anderes Land ziehen würden.

Für die Schweiz würde das eine Art «Braindrain» bedeuten und tiefere Steuereinnahmen. Überdies wäre das ein Eingriff in die Geschäftsführung privater Unternehmen, was eigentlich unserem Denken zuwider läuft. Es ist die Aufgabe der Aktionäre, Verwaltungsräte zu bestimmen, die ihre Geschäftsleitung korrekt entlöhnen.

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