Klar ist: Christoph Blocher spielt in der Affäre eine Schlüsselrolle. Ob er zur Verletzung des Bankgeheimnisses angestiftet hat, wie jetzt die Zürcher Staatsanwaltschaft untersucht, ist eine Frage, die längst nicht geklärt ist. Wenn nun aber Blocher daraus ableitet, mit Widmer-Schlumpfs Aussage sei er von höchster Stelle im Staat zum Abschuss freigegeben worden, dann irrt er. Es ist daran zu zweifeln, dass sich der Zürcher Oberstaatsanwalt Andreas Brunner und sein Leiter für Wirtschaftsdelikte, Peter Pellegrini, für politische Abrechnungen einspannen lassen. Der parteilose Brunner und sein leitender Ermittler Pellegrini, der als Technokrat gilt, sind bisher nicht als Blocher-Hasser in Erscheinung getreten. Eher unglücklich war allerdings Brunners Auftritt bei «10 vor 10», als er sagte, man habe «potenziell beweisrelevantes Material» – ohne auszuführen, wie er trotz Versiegelung zu dieser Aussage kommt.

Für den SVP-Übervater ist das Verfahren gegen ihn ein Steilpass. Blocher ist immer dann am stärksten, wenn ihn seine Gegner für schwach halten. So oft, wie er totgesagt wurde, kam er zurück. Wie nach seinem Engagement gegen den EWR, als ihn die damalige Schweizerische Bankgesellschaft aus dem Verwaltungsrat warf. Wie nach seiner Abwahl am 12. Dezember 2007. Es war der Tag, der einen Showdown einläutete, der nun mit dem Fall Hildebrand einem vorläufigen Höhepunkt zusteuert. Dabei geht es um Blochers Kampf gegen die Institutionen.

Sein Feldzug gegen die Classe politique richtet sich in erster Linie gegen jene Frau, die seinen Sitz im Bundesrat einnahm: Widmer-Schlumpf, die von der SVP zur «Verräterin» und «Lügnerin» abgestempelt wurde. Nach Hildebrands Sturz läuft Blocher erneut zur Hochform auf. Dass Widmer-Schlumpf öffentlich zu lange am Nationalbank-Präsidenten festhielt, war nur weitere Munition für neue SVP-Salven. Mit dem Fall Hildebrand hat sich Blocher nach der Wahlschlappe 2011 zurück auf die Bühne katapultiert, die er so liebt – auch, wenn er sich gerne demütig gibt und sich auf sein Pflichtgefühl für das Vaterland beruft.

Natürlich hat das Verfahren gegen Christoph Blocher eine politische Komponente. Nur schon darum, weil es einen gewählten Nationalrat betrifft, der sich auf die parlamentarische Immunität beruft. Aber es ist weit davon entfernt, ein politischer Schau-Prozess zu werden. Blochers Helfer sind bereits daran, das Verfahren als rein politisch motiviert zu diskreditieren. Um es deutlich zu sagen: Es ist gut, wenn ans Tageslicht kommt, dass der Nationalbank-Präsident mit Devisen handelt und dies auch Konsequenzen hat. Aber es ist genauso wichtig, auszuleuchten, wer welche Rolle spielte. Genau das ist jetzt auch der Job der Justiz. Die Gefahr dabei ist, dass Blocher damit zum Märtyrer gemacht wird.

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