Es stimmt natürlich: Beide Männer sind reich (Blocher noch etwas reicher als Trump), beide sind laut, beide poltern gegen Migranten. Trump und Blocher treffen sich in ihrer nationalkonservativen Haltung. Doch es ist mehr als die Frisur, die die beiden Politiker trennt. Wer Blocher verstehen will – und hier versagen viele ausländische Zeitungskommentatoren –, muss nicht nur seine nationalkonservative Seite betrachten, sondern auch seine wirtschaftsliberale, globale Seite. Diese eigentümliche Kombination aus politischer Abschottung einerseits und wirtschaftlicher Offenheit und Internationalität andererseits machen Blocher und die von ihm geprägte SVP einzigartig. Sie ist der entscheidende Unterschied zu Trump und auch zu europäischen Populisten wie Marine Le Pen in Frankreich oder Heinz-Christian Strache. Die sind ausschliesslich nationalkonservativ (oder nationalistisch). Auch in der Wirtschaftspolitik.

Die «Financial Times», das Leibblatt der Wirtschaftsliberalen, warnte diese Woche nicht primär vor dem Ausländerfeind Trump, sondern vor dem Wirtschaftsfeind Trump. Denn er ist gegen das Freihandelsabkommen TTP und will Importe aus Mexiko und China mit horrenden Zöllen belegen. Das Fazit der Zeitung: «Wenn es so weit käme, wäre das einer der grössten Schocks für den Welthandel seit dem Zweiten Weltkrieg.» Trump ist zudem für einen Mindestlohn und für die Abschaffung von Einkommenssteuern für Familien, die weniger als 50 000 Dollar verdienen. Das klingt, wenn schon, eher nach SP als nach SVP.

Unterschiedliche, ja gegenläufige Rollen spielen Trump und Blocher in ihren Parteien. Bei den Republikanern ist Trump der Kandidat gegen das Parteiestablishment. Bei der SVP ist Blocher das Parteiestablishment. Neuerdings wird er offen kritisiert von SVP-Politikern, die nicht zum Parteiestablishment gehören. So von Auns-Präsident Lukas Reimann oder von Walter Wobmann, der mit der Burka-Initiative an seinen Erfolg mit der Minarett-Initiative anschliessen will. Beide Volksbegehren entstanden gegen Blochers Willen (siehe Artikel links). Das erinnert an den Aufstand der republikanischen Basis gegen ihre Führung. Diese wurde die Geister, die sie rief, nicht mehr los: In den letzten acht Jahren vergifteten die Republikaner mit Hassparolen gegen Obama das Klima derart, dass sich ihre Basis radikalisierte – und nun Trump für ihren Mann hält. Die Revolution frisst ihre Kinder.

Kann so etwas auch in der SVP passieren? Wenn SVP-Kreise gegen Blochers Widerstand Initiativen lancieren, zeigt das, dass Blocher die Partei nicht mehr vollends im Griff hat. Noch halten sich die Folgen in Grenzen, denn nur das Establishment hat das nötige Kleingeld für wirklich grosse Schlachten. Doch was wird aus der SVP nach der Ära Blocher? Geht sie dann auf Trump-Kurs? Blocher fördert derzeit gezielt Akademiker wie Roger Köppel, Gregor Rutz, Thomas Matter und seine Tochter Magdalena Martullo. Sie alle stehen, wie er, für die Kombination aus nationalkonservativ und wirtschaftsliberal. Das zeigt: Hier sorgt einer vor.

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