Der Kommentar: Der Exit der Briten aus der Europäischen Union stürzt die Finanzwelt ins Chaos. Am Freitag kollabierten die Aktienmärkte, das britische Pfund brach ein. Fluchtwährungen wie der japanische Yen, der US-Dollar und der Schweizer Franken starten durch. Es ist weitgehend das passiert, wovor die meisten Wirtschaftsleute warnten.

Die Notenbanken reagierten schnell. Als der Euro-Kurs auf 1.06 Franken zusteuerte, zog die SNB die Notbremse und intervenierte massiv am Devisenmarkt. So konnte sie den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken mildern. Doch der Sturm ist noch nicht vorbei. Die nächsten Wochen und Monate werden turbulent bleiben. Die Zentralbanken werden die Märkte mit Liquidität fluten, um das Finanzsystem am Leben zu halten. Die Zinsen könnten auf neue Tiefstände fallen.

Welche Optionen hat die SNB? Es sind im Kern zwei. Sie kann wie diesen Freitag den Euro-Kurs durch Interventionen stützen und so eine schädliche Aufwertung des Schweizer Frankens verhindern. Oder sie kann die Negativzinsen in der Schweiz auf –1 oder –1,25 Prozent drücken, um Frankenanlagen unattraktiv zu machen.

Beide Optionen sind schlecht. Interventionen blähen die ohnehin angeschwollene SNB-Bilanz zusätzlich auf. Das kann potenziell teuer werden. Die Folgen von noch tieferen Zinsen sind riskanter. Denn sie könnten eine Flucht der Anleger ins Bargeld entfachen. Für das Bankwesen wäre das katastrophal. Will Thomas Jordan das wirklich riskieren? Bleibt er bei seinem pragmatischen Kurs, wird er sich für Interventionen entscheiden und gegen Experimente mit noch extremeren Negativzinsen.

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