In Europa schimpft oder spottet man gern über den «Fussball-Machiavelli» («Die Welt»). Für «Giacobbo/Müller» ist er ein Lieblingssujet. Eines aber ist Blatter hoch anzurechnen: Er hat gegen alle Widerstände durch-geboxt, dass der grösste Sportanlass erstmals auf afrikanischem Boden stattfindet. Bedenkenträger wie der FC-Bayern-Manager Uli Hoeness, der einst von einer «Fehlentscheidung» sprach, sagen nun kleinlaut, es sei «höchste Zeit für eine WM in Afrika».

Blatter hat schon nach zwei Spieltagen recht bekommen. Zu schön sind die Bilder mit den jubelnden Menschen auf den Strassen, zu schön das erste Tor der Südafrikaner, zu schön der Name ihres Torschützen: Tshabalala. Und bis jetzt hat alles reibungslos funktioniert. «Man hat uns in den vergangenen Jahren oft erzählt, dass diese Aufgabe für unser Land zu gross ist», sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma. «Aber wir haben uns geweigert, zuzuhören.»

Dass es ein Schweizer ist, der dieses afrikanische Märchen möglich macht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn die Schweiz hat eine zwielichtige Rolle im früheren Apartheidsstaat gespielt. Die «Wochenzeitung» zitiert in ihrer neusten Ausgabe aus dem NationalfondsBericht zu Schweiz-Südafrika: «Dass sich die Schweiz der Sanktionsbewegung nicht anschloss, insbesondere wegen des Kapitalexportes und der Abnahme des südafrikanischen Goldexportes, hatte den Apartheidstaat mit seinen kredithungrigen Staatsbetrieben und seinen hohen Staatsausgaben gestützt und gestärkt und somit begünstigt.»

Es ist ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte. Joseph Blatter schreibt jetzt ein leuchtendes Kapitel. Und hoffentlich tut dies auch unsere Fussball-Nati, die am Mittwoch zu ihrem ersten WM-Spiel auf südafrikanischem Boden aufläuft.