Der Kommentar: Eure Heiligkeit, Josef Blatter der Erste (und Einzige), lässt Karikaturen verbieten. Und das Bezirksgericht Zürich macht bei der Begründung mit: Die Publikation beinhalte eine «Aneinanderreihung unnötig herabwürdigender Darstellungen». Dabei stünden «nicht der ästhetisch-künstlerische Aspekt, sondern rein egoistische Motive des Zeichners im Vordergrund».

Recht so! Wie kommt ein Karikaturist nur dazu, die Realität dermassen zu überzeichnen? Woher nimmt er nur die Frechheit, den Madiba des Fussballs, diesen Menschenfreund, dermassen anzugreifen? Sepp Blatter wurde vom Fussballgott persönlich gesandt, um als Wohltäter den Schönen und Reichen das Leben zu versüssen. Ja, genau! Nicht nur die Armen haben einen Messias verdient, auch die Oligarchen, Quataris und Gazpromis der Welt des Fussballs brauchen den Schutz, Segen und die Geborgenheit einer Weltreligion. Und wir dummen, dummen Karikaturisten sollten doch wirklich fähig sein, zwischen einem Gutmenschen und einem Scheinheiligen zu unterscheiden. Und falls nicht, gibt es da zum Glück Bezirksrichter, die ihr Rückgrat fallrückziehergleich verbiegen können, sodass auch wir, die nur des Zeichnens Befähigten, verstehen, dass die Meinungs- und Pressefreiheit schnell mal den Zidaneschen Kopfstoss verpasst bekommt, sollten unsere Bleistiftspitzen nicht sorgfältig kupiert sein. Da könnte ja jeder kommen!

Wir alle sollten ihm zu Ehren morgens, mittags und abends in Blickrichtung Züriberg ein Walliser Fendantfondue opfern. Und hoffen wir darauf, dass gar in einem nächsten Schritt jegliche Darstellung des Erlösers in Printmedien oder Fernsehsendungen – ob Fotos, Götzenbild oder Ähnliches – gerichtlich verboten wird. JA, BITTE! Nichts wünschen wir uns mehr liebes Bezirksgericht, ihr seid auf dem richtigen Weg!

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