Der Kommentar: In der grössten Schweizer Stadt ging diese Woche fast nichts mehr. Wegen eines Stromausfalls standen in mehreren Quartieren und am Hauptbahnhof Züge und Trams still, Lichtsignale stellten auf Schwarz und Kühlschränke verstummten. Manche Zürcher Berufspendler empfanden den Stromausfall als eine heitere Abwechslung im sonst minutengenau durchgetakteten Arbeitsalltag. Alles halb so schlimm.

Wie sehr wir von einem stabilen Stromnetz abhängig sind, wird uns erst bewusst, wenn der «Pfus» einmal weg ist. Transport, Spitäler, Telekommunikation und Produktionsprozesse in Fabriken sind auf Versorgungssicherheit angewiesen. Hightech-Firmen aus dem Ausland, die sich in der Schweiz niederlassen, tun dies, weil die Infrastruktur einen exzellenten Ruf geniesst. Wenn sie für Notstromaggregate Hunderte von Millionen Franken ausgeben müssten, könnten sie genauso gut in China oder Indien produzieren. Das Bundesamt für Energie schätzt die Kosten eines Blackouts in der Schweiz auf 3 bis 7 Milliarden Franken pro Tag. Alles halb so schlimm?

Man könne die Uhr nach den Abfahrtszeiten der Züge richten, war kürzlich wieder in einem Reisebericht über die Schweiz zu lesen. Leider ist das nur noch ein Klischee. Wir sollten uns ehrlich fragen: Ist die Schweizer Basisinfrastruktur wirklich so gut, wie wir immer meinen? Die Schweiz muss ihren öffentlichen Netzen Sorge tragen. Wenn die Schweiz keine Infrastruktur hat, was hat sie dann noch? Grossbanken können wanken, Airlines grounden. Solange die Infrastruktur exzellent funktioniert, ist das halb so schlimm.

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