Der Kommentar: Alle sechs Jahre findet das Eidgenössische Turnfest statt. Das Ereignis verbindet Zehntausende Turnbegeisterte, ist für viele Höhepunkt des Jahres.

Ein angemessenes Sicherheitskonzept, so dürfte man meinen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. «Das Turnfest ist in jeder Hinsicht ein sicheres Fest», schreiben die Organisatoren als einen von dreizehn Leitsätzen auf ihrer Internetsite.

Nun reibt sich die Schweiz die Augen. Ein Gewitter, wie es heftig, aber zu dieser Jahreszeit in der Schweiz keine Jahrhunderterscheinung ist, sorgte für Schwerverletzte. Das Unwetter traf das Fest, als Hunderte noch mitten auf dem Gelände verweilten.

Von einer Zusammenarbeit mit Wetterdiensten, wie sie bei anderen Grossanlässen längst üblich ist, wollten die Organisatoren nichts wissen. Mit Meteo Schweiz habe man telefoniert, als das Wetter schlechter wurde, liessen sie verlauten. Die Evakuation, eine Stunde nach der Unwetterwarnung eingeleitet, wurde gemäss Augenzeugen unsachgemäss durchgeführt.

Dass der Turnfestpräsident und Berner Ständerat Hans Stöckli gestern auch noch den Klimawandel bemühte, muss als eher unbeholfener Rechtfertigungsversuch gewertet werden. Auch die Aussage des OK-Präsidenten, bei Sonnenschein wäre eine Evakuation gefährlich gewesen, erschliesst sich nur den wenigsten. Die Vielfalt an Ausreden ist eindrücklich. Dabei würde es reichen, wenn sich die Organisatoren seriös auf Wetter vorbereiten, wie es im Juni eines normalen Jahres vorkommen kann.

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