Der Kommentar: Die Credit Suisse ist das grösste Pfand in der Hand der Amerikaner. Der Blitzbesuch von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bei Justizminister Eric Holden deutet darauf hin, dass ein Showdown in der jahrelangen Auseinandersetzung bevorsteht.

Welche Optionen hat die Schweiz? Um eine Strafklage zu verhindern, könnte der Bund in einer Nacht- und-Nebel-Aktion die geforderten Kundendaten an die Amerikaner ausliefern. Die Ausgangslage erinnert an die hektischen Tage vor fünf Jahren, als der Bund Notrecht anwandte, um die Kundendossiers in die USA ausliefern zu können. Das Problem: Eine Wiederholung der UBS-Rettung bedeutet politischen Selbstmord.

Die andere Variante lautet: Die Credit Suisse bricht Schweizer Recht und liefert die Namen der Steuersünder den Amerikanern selbst aus. Schon im Vorfeld der UBS-Rettung wurde dieses Szenario durchgespielt. Das Problem: Wie schon vor fünf Jahren wird dieses Vorhaben am Widerstand der Chefs scheitern, die nicht ins Gefängnis wandern wollen. Auch auf der CS-Chefetage lässt sich kein Winkelried ausmachen, der sich für seine Bank opfern würde.

Ein Kompromiss ist möglich: Die Amerikaner erzwingen von der CS ein Schuldeingeständnis oder klagen eine Tochtergesellschaft der Bank ein. Damit würden die Kollateralschäden einer Strafklage eingedämmt. Die Amerikaner würden über ein beschleunigtes Amtshilfeverfahren in den Besitz der Kundennamen gelangen. Wie immer sich die Verantwortlichen beim Bund und der Credit Suisse entscheiden: Die Lage ist brenzlig, und die Zeit drängt.

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