Der Kommentar: Am 21. Februar 2010 berichtete «Der Sonntag», dass die Schweizer Bistümer in den letzten 15 Jahren mehr als 60 Fälle von sexuellem Missbrauch untersucht haben. Damals sagte Abt Martin Werlen, in der Bischofskonferenz zuständig für das heikle Thema: «Wir müssen noch viel Arbeit leisten.» In der Zwischenzeit haben sich über hundert neue Opfer gemeldet. Doch die Schweizer Bischofskonferenz hat ihre Aufgaben nicht gemacht.

Nach einer ersten Information über die Zahl der bekannt gewordenen Fälle folgte Schweigen. Erst Anfang 2011 informierte die Bischofskonferenz erneut, allerdings ohne konkrete Massnahmen zu nennen. Dabei macht ein Mann aus der Bischofskonferenz vor, was vonnöten wäre: Abt Martin Werlen fackelte nach Missbrauchsvorwürfen gegen das Kloster Einsiedeln nicht lange. Er rief eine unabhängige Untersuchungskommission ins Leben und informierte die Öffentlichkeit über die Ergebnisse.

Dieses transparente Vorgehen sollte zur Richtschnur für die Bischofskonferenz werden – doch dagegen sperrt sich ausgerechnet der oberste Schweizer Bischof. Das Gremium muss eine unabhängige Untersuchung einleiten. Gleichzeitig muss sich Bischof Brunner seiner Verantwortung stellen. Die Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit ist Chefsache. Dazu gehört auch, dass Brunner den Opfern Gehör schenkt. Kollektiv-Entschuldigungen sind zu einfach. Mehr Mut und Zeit braucht es, wenn sich die Verantwortlichen mit den Opfern zusammensetzen und ihnen zuhören. Ausgerechnet beim Thema Missbrauch lässt die Kirche jenes Gut vermissen, das eigentlich ihr höchstes ist: Menschlichkeit.