Besser als Gut

Im Journalismus gilt ein ebenso ungeschriebenes wie fragwürdiges Gesetz: Wer grandiose Fehlleistungen vollbringt, befeuert damit seine Karriere. Wie viel ist vom politischen Skandal um Bundesrätin Elisabeth Kopp 1989 im Rückblick substanziell übrig geblieben? Egal: Die Journalisten von damals sind die Redaktionsleiter und Journalismus-Dozenten von morgen geworden.

Das Gedächtnis im Medienbusiness ist noch kürzer als anderswo. Wer erinnert sich noch daran, dass Ueli Haldimann als Chef der «SonntagsZeitung» über ein falsches Zitat von Christoph Blocher gestolpert ist? Egal: Er konnte seine Karriere später trotzdem als Chefredaktor des Schweizer Fernsehens krönen.

So gesehen, hat der stellvertretende «Weltwoche»-Chefredaktor Philipp Gut auch weiterhin eine glänzende Karriere vor sich. Am letzten Donnerstag sass er im Studio von TeleZüri und dozierte zu Recherchen und Qualität. Es ging um den Fall Mörgeli, bei dem die «Weltwoche» nach heutigem Wissensstand eine «Rundschau»-Quelle enttarnt hat, die keine war.

Aber war da nicht sonst noch was? Genau: Genau zwei Monate zuvor hat Gut in der «Weltwoche» mit einem manipulierten Zitat und unbelegten Unterstellungen «Tages-Anzeiger»-Chef Res Strehle in die Nähe des Linksterrorismus gerückt. Egal: Rechtfertigen musste er sich für die handwerklichen Fehler nie.

Im Journalismus existiert keine Fehlerkultur, sondern eine Kultur der Fehler. Gut wäre besser, wenn es anders wäre.

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