Der Kommentar: Ohne Englisch geht heute gar nichts mehr. Die Sprache dominiert Wirtschaft, Politik, Kultur. Folglich ist es richtig, ja notwendig, dass auch die Schweizer Schüler die Weltsprache erlernen. Doch das darf nicht auf Kosten der Landessprachen, namentlich des Französischen, geschehen. Denn kaum etwas ist so wichtig für den nationalen Zusammenhalt wie die Sprache. Sie ist die Basis der Willensnation Schweiz. Ohne gegenseitiges Verständnis gibt es keine gemeinsame Zukunft.

In der Romandie ist man sich dessen bewusst. Kein einziger Westschweizer Kanton hat Englisch vor Deutsch gesetzt – nicht einmal Genf, die bei weitem internationalste Stadt des Landes. Obwohl Genf Sitz zahlreicher internationaler Organisationen und multinationaler Konzerne ist, büffeln die Knirpse hier erst mal Deutsch, auch wenn es ihnen keinen Spass macht. Anders auf der anderen Seite des Röstigrabens: Dort wird die Arbeitsmarkt- und Facebook-Tauglichkeit höher gewichtet als der innerschweizerische Zusammenhalt. Bereits 14 der 19 Deutschschweizer Kantone haben Englisch zur ersten Fremdsprache erkoren.

Der Sprachgraben droht noch tiefer zu werden. Bereits heute können einzelne Schüler mit Lernschwierigkeiten sich vom Fremdsprachenunterricht dispensieren lassen. Die Kantone sprechen von Einzelfällen, Statistiken gibt es aber keine. Der nächste Schritt ist nicht mehr weit. Das zeigt der Fall St. Gallen. Auch wenn noch keine fixen Pläne bestehen: Schon allein die Idee, Schülergruppen zu dispensieren, ist bedenklich. Geht das so weiter, droht der Französischunterricht letztlich ganz aus dem Lehrplan zu verschwinden – erst für lernschwache Gruppen, dann für ganze Klassen, dann für ganze Schulen. Das sind bedenkliche Signale.

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