Der Kommentar: Diese Nachricht ist natürlich nicht dazu angetan, die noch immer tief liegenden Sympathiewerte der Banker zu steigern. Aber sie zeigt auch etwas Interessanteres: Hans Bär, der verstorbene Doyen des Bankenplatzes, hatte mit seinem berühmten Satz unrecht, wonach das Bankgeheimnis die Branche «fett und impotent» gemacht habe.

Offensichtlich haben sich die Banker einen gewissen Killer-Instinkt bewahrt. So ist es ihnen möglich, sich die Realität zu ihrem Vorteil zurechtzubiegen. Nur so können sie sich ernsthaft über die Steuerhinterziehung derselben Kunden empören, denen sie kurz zuvor dabei tatkräftig zur Seite standen. Denn davon muss man ausgehen: Die Banker sahen sich aufrichtig im Recht.

Das Aufrechterhalten eines positiven Selbstbildes gehört zu den wichtigsten Aufgaben unseres Gehirns, schrieb der US-Psychologe Steven Pinker einst. Um dieses Ziel zu erreichen, ist unser Gehirn auch durchaus in der Lage, gewisse unangenehme Fakten aus unserem Bewusstsein zu schieben oder zu unseren Gunsten falsch einzuschätzen.

Dieselben Mechanismen kann jeder bei sich selber beobachten. So haben Psychologen nachgewiesen, dass Menschen die Menge an Hausarbeit, die sie geleistet haben, überschätzen. Die Überzeugung, viel geleistet zu haben, ist von grossem Nutzen, wenn es um die Verteilung der Hausarbeit geht. Man kann glaubhafter behaupten, bereits genug beizutragen.

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