Antwort von Oswald Grübel: Der Anstieg des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken ist eindeutig auf den fixen Wechselkurs des Frankens zum Euro zurückzuführen. Der US-Dollar etwa ist gegenüber dem Yen und dem australischen Dollar gefallen.

Die Hintergründe für diese Entwicklung hängen hauptsächlich mit dem Euro zusammen. Die politischen Wirren in der Eurozone haben den US Dollar wieder einmal zu einer Fluchtwährung gemacht. Trotz einer hohen Verschuldung der USA, absolut gesehen sogar die höchste der Welt, vertraut man Wirtschaft und Politik mehr als in Europa. Nicht zu Unrecht. Solange unsere Zentralbanken und Politiker mit absoluten Aussagen, wie: «Wir können unbegrenzt Geld drucken» oder: «Wir werden alles tun, um den Euro zu erhalten» um sich werfen, weiss jeder normal denkende Mensch, dass es Zeit ist, sich eine sicherere Währung zu suchen.

Die Aussichten für die USA sind aus diesem Gesichtspunkt nicht so schlecht. Man traut der Wirtschaft zu, sich schneller zu erholen. Auch die Finanzbranche hat gute Voraussetzungen, weiter zu wachsen, anstatt zu schrumpfen wie in Europa. Die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung ist über ein paar Monate hinaus nicht abzuschätzen, da sie in Europa von politischen und nicht von wirtschaftlichen Entscheiden abhängt.

Wenn wir eines Tages statt Verzweiflungserklärungen überzeugende Argumente aus Europa hören und einen starken politischen Willen feststellen, die Eurozone von ihren Schwächen zu bereinigen, dann ist der Moment gekommen, den US-Dollar zu verkaufen. Wie es zurzeit aussieht, müssen wir uns noch nicht beeilen.

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