Der Kommentar: Lange Zeit war das Amt des schweizerischen Aussenministers der langweiligste Job in Europa. Die Schweiz war ja neutral und musste vor allem die zahlreichen Botschaften verwalten, ansonsten herrschte Funkstille ennet der Grenze. Bis in den Siebzigerjahren der Begriff «Neutralität» mit «Disponibilität» ergänzt wurde. Schweizer Diplomaten erzielten beachtliche internationale Erfolge. Doch dann wurde es wieder stiller um die «Guten Dienste» der Schweiz.

Ausgerechnet unter dem etwas autistisch wirkenden Bundesrat Burkhalter kommt wieder Bewegung in die Sache. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin polarisiert er nicht mit spektakulären Aktionen, aber er wirkt intensiv und beharrlich. In Genf und Montreux geht derzeit eine wichtige Konferenz zu Syrien übers diplomatische Parkett. In Genf kam es zum vergangenen Jahresende zur Annäherung zwischen Iran und dem Westen. In diesem Jahr präsidiert die Schweiz die OSZE. Polen möchte die Schweiz vermehrt in die EU einbinden. Das Tohuwabohu in der Ukraine könnte eine Schweizer Vermittlung lösen helfen. Die Beziehungen zu Russland und China sind gut.

Die Frage ist eine einfache. Was ist für die Schweiz besser: solche Schlagzeilen oder solche über Bankenskandale, Steuerhinterziehungsaffären und fremdenfeindliche Abschottungstendenzen? Wollen wir mit einem WEF auf allen internationalen TV-Kanälen präsent sein oder mit der Meldung, eine Minarett-Initiative angenommen zu haben? Sind ein Wawrinka und ein Federer unsere Botschafter oder ein nörgelnder Mörgeli und ein empörter Minder? Nutzen wir die frische Brise des Erfolgs oder jammern wir über die Zerstörungskraft eines angeblichen Sturms, der die Schweiz bedroht? Bald können wir an der Urne die richtige Antwort darauf geben.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper