Der Kommentar: Im Spielfilm «Good Bye, Lenin!» fällt eine Frau kurz vor dem Mauerfall ins Koma. Als sie Monate später aufwacht, unternimmt ihre Familie alles, damit sie nicht merkt, dass sich die Welt komplett verändert hat. Sie fürchten, die Mutter ertrage es nicht, dass es die DDR nicht mehr gibt.

Es ist verständlich, dass manche Schweizer Bankiers sich den Realitäten verschliessen und den alten Zeiten nachtrauern. Wie goldig waren diese! Man nahm das Geld des Kunden, legte es in teure Fonds und kassierte unverschämte Gebühren. Der Kunde war happy, weil er keine Steuern bezahlen musste. Bis 2 Prozent auf den Kundenvermögen flossen so in die Taschen der Bankiers. Der Verkauf von Diskretion bescherte den Banken gigantische Mitnahmegewinne.

Damit ist Schluss. Mit jedem Quartal schrumpfen die Margen im Private Banking. Im klassischen Retailgeschäft verdienen die Banken bereits wieder deutlich höhere Profite. Ganz zu schweigen vom margenträchtigen Firmenkundengeschäft. Wenn sich nun selbst führende Privatbankiers für den automatischen Informationsaustausch aussprechen, vollziehen sie einen pragmatischen Schritt. Sie wissen, dass sie das Bankgeheimnis nicht mehr «verkaufen» können. Der Honigtopf ist ausgeleckt.

Abschreiben darf man das Bankgeheimnis dennoch nicht. Im besten Fall wird es sogar ein Revival erleben. Zwar nicht mehr als Vehikel zur Steuerhinterziehung, sondern als effektives Instrument, um die Privatsphäre des Individuums vor einem allzu neugierigen Schnüffelstaat zu schützen.

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