Der Kommentar: Es braucht viel, um den freundlichen Menschen Vladimir Petkovic zu verärgern. Und wenn, dann vermeidet er es, seinen Ärger allzu deutlich zu zeigen. Am Freitagabend in Dublin ist das anders. Der Nationaltrainer wirft seinen Spielern vor, gegen Irland «halbherzig» bei der Sache gewesen zu sein. Er spricht auch von «mangelndem Charakter». Die Harmlosigkeit der Schweizer auf dem Platz hat offensichtlich auch ihm zugesetzt.

In gut zwei Monaten beginnt die EM. Doch dieses Schweizer Team ist eine Baustelle. Die Verteidigung fällt mit Fehlern auf, welche die Schweiz lange nicht mehr zu beklagen hatte. Der Sturm ist plötzlich von einer Tor-Impotenz ergriffen. Dazu ist der Captain ausgemustert. Während andere Mannschaften in Ruhe Fahrt aufnehmen vor der EM, drohen der Schweiz Turbulenzen. Das ist erschreckend. Genauso wie manchmal der Auftritt neben dem Rasen. Der Nationaltrainer verlängert den Vertrag – es gibt keinen offiziellen Anlass dazu. Der Nationaltrainer mustert den Captain aus – und findet es überflüssig, sofort einen Kommentar dazu abzugeben. Die Schweiz verliert in Irland – die Spieler verschwinden kommentarlos im Bus. Mag sein, dass es keine Absicht war. Aber der Verdacht lässt sich einfach nicht entkräften: Einigen Schweizer Exponenten sind der Ruf und die Wahrnehmung dieses Teams egal. Finden Kontakt und Dialog unwichtig. Das ist ein gefährlicher Weg der Entfremdung.

Die letzten Monate haben nicht dazu beigetragen, das Feuer rund um die Nati zu entfachen. Am Dienstag steht das nächste Spiel an. In Zürich gegen Bosnien. Das billigste Ticket, hinter dem Tor und weit weg vom Spielfeld, kostet 39 Franken. Kommentar überflüssig.

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