Der Kommentar: Der griechische Staatspräsident Karolus Paoulias hat heute denkbar schlechte Chancen, die zerstrittenen Parteien doch noch auf die Bildung einer Regierung verpflichten zu können. Er wird diese Chancen aber bis zuletzt ausreizen und dabei von den Verbündeten in Europa hoffentlich tatkräftig unterstützt werden. Ein totales Scheitern der Regierungsbildung würde nämlich nur schwer kalkulierbare Folgen haben: Wenn die Wahlen wiederholt werden, dann dürften die radikalen Kräfte – das Linksbündnis, aber auch die Faschisten – noch mehr Aufwind erhalten und das pro-europäische Lager müsste noch mehr Federn lassen. Eine Fortsetzung des Sparkurses wäre nicht mehr gewährleistet, die Milliarden aus Europa würden ausbleiben, Bankrott und Austritt aus der Währungsunion wären unabwendbar.

Das ist keine Lösung, weder für Griechenland noch für Europa. Allein Deutschland würde der Austritt Griechenlands direkt 70 Milliarden Euro kosten. Nicht zu beziffern wäre der Schaden für die Gemeinschaftswährung und in Griechenland käme das Gespenst des Bürgerkrieges wieder hoch.

Wie bringt man aber eine durch ein brutales Sparprogramm gebeutelte Bevölkerung dazu, weiter für den Sparkurs zu stimmen? Nur ein parallel geschaltetes und real spürbares Konjunkturprogramm kann da eine neue Perspektive schaffen. Die Wahlsieger in Frankreich fordern dasselbe und in Deutschland setzt sich allmählich die Auffassung durch, dass Totsparen keine Option mehr sein darf.

Es gibt noch etwas Hoffnung, doch es wird eng, für Griechenland und für Europa.

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